Symbolbild Privat bin ich ganz anders?!

Echtheit, Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit: Das sind die drei Schlagworte, die mir mein DUDEN zum Stichwort Authentizität liefert. Das etablierte Nachschlagewerk umreißt damit keine kleinen Hausnummern. Was zeichnet echte „Echtheit“ aus: ‚So bin ich eben’? Wer oder was bestimmt verlässlich sowie berechenbar den Grad meiner „Glaubwürdigkeit“? Und was genau meint „Zuverlässigkeit“: Termintreue, Diskretion, Hartnäckigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Arbeitsethos...?

Aus welchen Puzzleteilchen lassen sich möglicherweise Eckstücke gewinnen für die  „Solo-UnternehmerInnen-Persönlichkeit“?

  1. Wie möchte ich gerne von meinen KundInnen, Geschäfts-, NetzwerkpartnerInnen... wahrgenommen werden? Gibt es Vorbilder an denen ich mich orientieren kann? Was ist mir selbst wichtig als AuftraggeberIn?
  2. Wie und wo gleichen bzw. unterscheiden sich diese Parameter, wie ich von FreundInnen und Bekannten erlebt werde(n) (möchte)?
  3. Was weiß/vermute ich, stellen meine KundInnen für persönliche Anforderungen an mich als Solo-UnternehmerIn, Anforderungen, die über das rein Fachliche hinausreichen?

    Was davon ist bereits da, sprich gelebter und stimmiger Bestandteil im Solo-Business? Was fehlt noch – steht aber bspw. auf der Wunschliste der KundInnen? Und was ist „auch da“, passt jedoch nicht (mehr) und lässt sich dies sanft korrigieren? Wenn ja, mit welchem Ergebnis, welcher Veränderung?

Letztendlich geht es um nichts Geringeres, als sich SELBST wahrzunehmen – denn nicht umsonst ist dies ein wesentlicher Bestandteil des Wortes SELBSTständigkeit. Welche Anteile zeichnen mich aus, welche verschiedenen Facetten meiner Persönlichkeit gibt es? Wenn ich mir dessen bewusst bin, komme ich der vielbeschworenen Authentizität in souveränen Schritten näher. Denn es geht gerade NICHT darum sich zu verstellen, ebenso wenig seinem Gegenüber ungefiltert ein „So bin ich halt“ entgegenzuschmettern. Wenn ich weiß, was für Möglichkeiten in mir stecken, wo diese erfolgreich eingesetzt werden können und ich mir klar mache, dass ich dies bewusst steuern kann, übernehme ich Verantwortung. Und da schließt sich erneut der Kreis in Sachen SELBST: Ohne SELBSTverantwortung und SELBSTreflexion stelle ich mir in der SELBSTständigkeit unnötig immer wieder SELBST ein Bein.

Und es kann äußerst angenehm sein, kontinuierlich eine selbstbestimmte Trennlinie zwischen offizieller und Privatperson zu praktizieren. Wie das Jackett, das nach Feierabend nur noch die Stumme Dienerin kleidet, so bleiben für den Privatbereich auf diesem Weg noch frische Ressourcen, die tagsüber nicht angezapft worden sind. Dabei ist diese Trennlinie weder ein Dogma noch unverrückbar, vielmehr lässt sich damit wunderbar spielen. Denn wer bestimmt was Ihre Solo-UnternehmerInnen-Persönlichkeit ausmacht: Sie sind es, die flexibel darüber entscheiden, welchen Anteil von sich Sie in welcher Situation zeigen möchten.

Genau diese spielerische Komponente war es, die mir beim Einrichten meines Büros sehr lange sehr viel Kopfzerbrechen bereitet hat. Als PR-Beraterin stehe ich für strukturierte, vertrauensvolle Kommunikations-Dienstleistungen. Passt es, dass ich mich in meinen offiziellen Vier-Wänden auch mit meinem Spielbein, den Kritzelbildern, präsentiere oder ist das einfach nur unprofessionell? Mein Fazit: In der von mir SELBST bestimmten Unternehmerinnen-Persönlichkeit hat beides Platz. In der Beratungssituation sind nun die kleinen gekritzelten Figuren als angenehmes Hintergrundrauschen präsent. Wie ein Text, der durch die Wortwahl seine Persönlichkeit durchblitzen lässt, zeige ich so eine Facette meiner  Unternehmerinnen-Persönlichkeit. Ein kleiner spielerischer Schritt zu mehr Authentizität, mit der (nicht nur) ich mich rundum wohlfühle.

Und was mache ich mit den Anteilen, die derzeit sehr präsent sind, aber zukünftig in meiner Solo-UnternehmerInnen-Persönlichkeit einer anderen Facette Platz machen sollen? Wertschätzung beider Anteile ist hier die Ausgangsbasis. Denn nichts ist auf einmal besser, nichts über Nacht plötzlich schlechter geworden. Sich beide Seiten bewusst machen über konkretes Nachfragen ist der nächste Schritt (begleitenden Empfindungen nachspüren, welches Verhalten geht mit dem jeweiligen Anteil einher, aber auch wie „groß“ ist der Anteil, wo kann ich diesen im Körper /im Raum verorten, wie „alt“ ist dieser Anteil...). So verschafft man im Bewusstsein beiden Anteilen Gleichwertigkeit. Gelingt es nun in der betreffenden Situation sich über bewusste Körperwahrnehmung zu orientieren (z.B. Körperhaltung, Stimmlage...) um damit erst einmal klar zu bestimmen: Welcher Anteil ist gerade am Ruder? ... kann mit dieser Erkenntnis im nächsten Schritt durch bewusste Veränderung der Körperorientierung, z.B. durch Veränderung der Körperhaltung, der „neue“ Anteil in die Situation gezielt hineingeholt werden.  

* Der Titel des Blogbeitrags ist wunderschön, aber keine Eigenkreation – entnommen habe ich ihn einem Programm aus den früheren 90ern des Rocktheaters N8chtschicht

Bildnachweis: © Piumadaquila - Fotolia.com

Wenn Ihnen dieser Blog-Beitrag der Wortfreundin gefallen hat, wie wäre es dann damit?
Klappern gehört zum Handwerk - der anderen? Sie leisten als Solo-Selbstständige nicht nur gute, sondern sehr gute Arbeit. Aber: Viel zu wenige wissen davon. Warum eigentlich?

Diesen Beitrag als Podcast anhören

Der Podcast zum Download als mp3

Privat bin ich ganz anders?! (3,1 MiB)

Sie möchten die Blog-Beiträge der Wortfreundin abonnieren?

Wer schreibt hier?

Annette Jäckel, Texterin und Beraterin
schreibt für mittelständische Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen und berät Solo-UnternehmerInnen in Sachen Marketing & PR.
E-Mail: info(at)wortfreundin.com

Kommentar verfassen

Kommentar von Claudia Kauscheder

Liebe Annette,

der Ausdruck "keine kleinen Hausnummern" beschreibt es wunderbar, danke! Ich bin davon überzeugt, dass unsere Kunden und Klienten weniger unsere Dienstleistung als "uns selbst" kaufen - auch wenn das in manchen Ohren übel klingt."Sich selbst verkaufen" ... aber es sind alle unsere Anteile, die uns ausmachen und auch Ecken und Kanten werden gerne gebucht - weil sie eben uns selbst und unsere Authentizität ausmachen, oder?

Liebe Grüße,
Claudia

Antwort von Annette Jäckel

Hallo liebe Claudia,

ja genau, gerade bei den durchaus "austauschbaren Beratungsdienstleistungen" geht es, so wie Du schreibst, nicht ohne sichtbare Ecken und Kanten, die genau den Unterschied machen, der für die KundInnen einen Unterschied macht ;-). Und sich hier bewusst zu machen, dass Authentizität im beruflichen Kontext bewusst steuerbar ist, ist in meinen Augen eine äußerst komfortable Erweiterung des persönlichen Spielfelds.

Herzliche Grüße,
Annette