Symbolbild Fachlich top - Sprachlich Flop?

Sich einen ersten Satz überlegen. Einfach mal machen. Viele Fragen stellen. Empathisch in Mimik und Gestik sein. Üben, üben üben.

Small-Talk-Abstinente kennen sie im Regelfall nur zu gut, die Vielzahl wohl proportionierter Ratschläge. Und die Belohnung für das kleine Dahinplaudern soll ja riesengroß sein. Viele Kontakte, die einen (nicht nur) beruflich weiterbringen, sondern auch bei Anlässen, egal welcher Größe, stets glänzend unterhaltend und niemals eckig allein, dastehen lassen. Es wäre also ziemlich praktisch, könnte man die Leere im Kopf hinter sich lassen und unbefangen auf Kontaktschau gehen. Ohne sich zu verbiegen oder über die eigene Unbeholfenheit schämen zu müssen, versteht sich. Stattdessen unverkrampft einfach mal ein oder vielleicht auch zwei Sätze plaudernd in die Runde zu werfen. 

So funktioniert es aber leider nicht. Denn die „ACHTUNG-SMALL-TALK-“Ampel im Kopf leuchtet bereits signalrot, bevor die Veranstaltung besucht, bevor nach potentiellen GesprächspartnerInnen überhaupt Ausschau gehalten wird.

Das oberflächliche Geblubber liegt mir einfach nicht.
Ich will mich nicht anbiedern.
Ich kenne den/die doch gar nicht.
Wenn die was wollen, sollen sie MICH halt fragen.
Mir fällt da einfach nichts ein.
Ich fühle mich in Situationen mit mir unbekannten Leuten generell nicht wohl.
Ich bin grundsätzlich mehr der zurückhaltende Typ.
Man kann doch kein Gespräch krampfhaft erzwingen.
Warum sollte sich die/der ausgerechnet mit mir unterhalten wollen.

Das könnte die eine Stimme sein. Dazu gesellen könnte sich dann noch eine andere:

Du solltest das aber eigentlich können.
Andere kriegen das doch auch hin.
Ich muss mich einfach dazu zwingen.
Wenn ich das jetzt schon wieder nicht schaffe, wie soll ich jemals zu neuen Kontakten / KundInnen kommen?
Andere sind eben viel besser als ich.
Ich lerne das nie.
Jetzt sag doch einfach irgendwas. 

Richtig anwesend ist man damit nicht in der individuellen Situation bei so viel Kopfkino. Damit wird es zugleich auch schwierig adäquat auf das zu reagieren, was tatsächlich gerade um einen herum stattfindet. Allerdings sind eine stimmige Präsenz seiner selbst und das wache Wahrnehmen des oder der Gegenüber, gut zuhören zu können, Voraussetzungen, damit überhaupt die Möglichkeit für ein kurzes, angenehmes Gespräch entstehen KÖNNTE.

Stattdessen trägt man vergangene, als Misserfolg abgespeicherte Sequenzen, schon einmal vorsorglich in die neue Situation mit hinein. 

Und im Kopf streiten zeitgleich auch noch verschiedene Stimmen darum, Gehör zu finden. Die eine will gar nicht da sein und verweist damit die ganze Zeit nachdrücklich zur Tür. Und die andere Stimme versucht einen permanent unsanft wie unvorbereitet vorwärts in ein Gespräch zu schubsen. Das sind Anforderungen die in völlig konträre Richtungen drängen und denen man trotz allen Bemühens nie zugleich gerecht werden kann. 

Wie soll man da nur jemals wieder heil heraus- und stattdessen in ein kleines angenehmes Plaudern hineinfinden?

Sie können kommunizieren.
Dieser Satz will kein Weichzeichner sein, der die undurchsichtige rosa Brille über ein ungelöstes Thema einfach drüberstülpt und es so unsichtbar machen möchte. Nein, es geht zunächst darum, für sich selbst wieder einen klareren Zugang zu finden. Wo fängt sie denn an, die Schwierigkeit des Kommunizierens? Denn diese ist ja ein wesentlicher Bestandteil des Selbstständigen-Alltags. Auch wenn jemand anderes vielleicht für Sie einen Kontakt hergestellt hat, irgendwann müssen Sie raus aus der Deckung und sich und Ihre Dienstleistung zeigen. Ab wann fällt es Ihnen schwer zu sprechen? Wenn SIE angesprochen werden, gelingt es Ihnen dann ein Gespräch in Gang halten? Ist es das FREIE Sprechen? Oder das Sprechen mit UNBEKANNTEN? Oder bereitet Ihnen das Sprechen Mühe, bei dem Sie selbst nicht in einer KLAREN ROLLE/FUNKTION direkt erkennbar sind? Oder sind es in erster Linie VERANSTALTUNGEN, von denen Sie glauben, dorthin gehen zu müssen? Oder...?

Sich hier über die Nuancen klar zu werden, bis zu denen  es „geht“ und ab wann das Sprechen in jenes Unglück ausartet, das so viel Mühe macht, dass es sie belastet – dies ist meiner Erfahrung nach die wichtigste Vorarbeit, bevor man zum Handbuch, Video oder Training übergeht. 

Glaubenssätze...
kommen so einmal auf den Prüfstand. Denn einmal (!) gemachte Erfahrungen, die sich im Kopf zu allgemeingültigen Wahrheiten verfestigt haben, können die allerbesten Plaudergelegenheiten in ein bedrohliches Szenario verwandeln. Indem man sich langsam an sein „Worst-Case“-Kommunikations-Szenario herantastet, ist das die Gelegenheit, hier nach früheren Situationen zu fahnden, die man als katastrophal in Erinnerung hat. Wie viele sind das tatsächlich?

Lernen...
dass die so herausgearbeiteten einzelnen Spielfelder unter Umständen ganz verschiedene Kommunikationsregeln einfordern. Das heißt, dass man zuweilen die Spielregeln erst einüben muss, um sich in diesem oder jenem Kontext sprachlich gut bewegen zu können.

Nach neuen...
Bildern oder Ankerplätzen für Gedanken und Gefühle zu suchen, die einen positiver in die unterschiedlichen Gesprächssituationen hineingehen lassen. So dass man nicht mehr, wie zuvor, die meiste Zeit damit beschäftigt ist, negative Bilder oder Gefühle abwehren zu müssen.

In dieser Arbeit an und mit Ihrer inneren Haltung, Ihren Werten, Ihren Ängsten oder auch Ihren Wünschen, lernen Sie sich selbst wieder ein gutes Stück besser kennen. Und genau das eröffnet Ihnen die Chance, sich auf neue Weise sehr klar, sehr authentisch nach außen zu tragen: Indem Sie sich mit und hinter Ihren Worten als interessante Persönlichkeit im Gespräch zeigen.

Bildnachweis: © olly - Fotolia.com

Wenn Ihnen dieser Blog-Beitrag der Wortfreundin gefallen, wie wäre es dann damit?
Sprechen Ihre Angebote für Sie? … oder anders herum gefragt: Wie viel Kommunikationszeit investieren Sie in potentielle KundInnen, BEVOR Sie ein Angebot erstellen?

Diesen Beitrag als Podcast anhören

Der Podcast zum Download als mp3

Fachlich top - sprachlich Flop? (4,0 MiB)

Sie möchten die Blog-Beiträge der Wortfreundin abonnieren?

Wer schreibt hier?

Annette Jäckel, Texterin und Beraterin
schreibt für mittelständische Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen und berät Solo-UnternehmerInnen in Sachen Marketing & PR.
E-Mail: info(at)wortfreundin.com

Kommentar verfassen