Symbolbild "Bitte nicht stören?"

Der „erlösende Auftrag“, welcher das Solo-Unternehmen zurück in die schwarzen Zahlen katapultieren soll. Der „Riesen-Durchbruch“, weil das Manuskript zum Bestseller werden wird. Kaum jemand, der sie nicht kennt, jene Phasen des: „Ich phantasiere mir eine neue Welt, weil die aktuelle mir gerade nicht besonders gut gefällt“. Diese Phasen entspannen kurz wie kurzfristig Kopf und Körper, regen die Phantasie an, mal ganz woanders hin zu denken, bevor es wieder zurückgeht, in das Hier und Jetzt.

Im Buch
In Michael Endes „Momo“ gibt es eine Figur mit dem schön sprechenden Namen Meister ‚Hora’. Er ist es, der den Menschen Zeit zuteilt. Schläft Meister Hora, bleibt die Zeit stehen. Als er genau das tut, friert nicht nur unmittelbar das gesamte Personal der Erzählung (mit Ausnahme Momos + Schildkröte + Graue Herren) mitten in der Bewegung ein, sondern auch das Pendel der großen Stundenblumen-Uhr bleibt stehen.

Nicht im Buch
Gerade dann, wenn wesentliche Dinge über einen längeren Zeitraum negativ verlaufen, kann es passieren, dass auch jenseits der Literatur das Pendel mitten im Schwung erstarrt. Die Zeit friert hier jedoch nicht im Außen, sondern im Inneren der Person ein. Zunächst wird die Gegenwart, so wie sie sich bisher gezeigt hat, Stück für Stück heruntergedimmt. Eine Gegenwart ohne zufrieden stellende Anzahl an Aufträgen, ohne Anzeichen einer Verbesserung der Auftragslage. Der Regler wird so weit heruntergefahren, bis nur noch das Stand-by-Lämpchen, einziges sichtbares Zeichen von Aktivität, leuchtet. Oder, um im Bild des Pendels zu bleiben: Dieses schwingt nun nicht mehr zwischen Phantasie und Realität hin und her, sondern bleibt in einer Seitwärtsbewegung stehen. Der Schatten des Pendels ist enorm und umfasst locker alles Zukünftige wie auch das Jetzt. Die Folge: Die Gegenwart macht Pause. Und die Zukunft? Ebenso. Was bleibt?

Ich WARTE (auf den erlösenden Auftrag) – und sorge zuverlässig dafür, dass mich niemand und nichts beim Warten stören oder irritieren kann.

Und dafür wird eine ganze Menge Energie aktiviert. Denn das Abschotten gegen lästige Störfaktoren von Außen, aber auch das Abstellen noch nicht so ganz vom Sinn des Wartens überzeugter innerer Anteile, muss sichergestellt werden – um weiterhin den gewünschten Zustand aufrechterhalten zu können. Was in dieser Warteschleife damit zugleich wegfällt, ist ENTWICKLUNG. Denn ich richte mich beim Warten (auf den erlösenden Auftrag) eben NICHT an konkreten Ereignissen im Außen aus, auf die ich irgendwie reagieren muss. Indem ich permanent die „Bitte-nicht-stören-Taste“ drücke, fällt diese Möglichkeit zum Lernen und persönlichem Wachstum weg. Es passiert nichts.

Im Buch
Die Zeit startet in dem Moment wieder, als Momo vereinbarungsgemäß den schlafenden Meister Hora weckt. Die „Zwischenzeit“, begrenzt auf eine Stunde, wurde von ihr gut genutzt. Die Zeitdiebe, in Gestalt der Grauen Herren, existieren nicht mehr. – Alle Uhren ticken, alle Pendel schwingen wieder.
ENDE.

Nicht im Buch
Ich kenne mein „Einschlafsignal“, nämlich den mich dauerberieselnden Sound des „morgen, übermorgen, irgendwann, demnächst, aber auf jeden Fall bald, kommt er, der erlösende Auftrag“. Und ich weiß auch, wie ich das Signal auf Sendung halte: Indem ICH warte. Oder anders gesagt: Indem ICH aktiv nicht handele. Das bedeutet, ICH bin es, die darüber entscheidet, was für mich subjektiv gerade sinnvoll ist. ICH bin es also auch, die entscheidet, ob ICH weiterhin nicht handele und warte ODER ich entscheide, dass ich handele. ICH muss keine Vorstellung davon haben, wie dieses „Handeln“ aussehen, was ich konkret tun könnte. Sondern es genügt, dass ich mir vorstellen kann, es gibt beides für mich, das Handeln und das Warten (NICHT-Handeln).

Wie fühlt es sich an, das Warten (Nicht-Handeln)?
Wie fühlt sie sich an, die Vorstellung eines Handelns“?

Wie fühlt es sich an, wenn ich dieser inneren Bewegung nachspüre?

Wie fühlt es sich an, wenn das Pendel ganz langsam und sanft beginnt zu schwingen, von der einen Seite, der des Wartens (Nicht-Handelns), zu der anderen Seite, zum Handeln?

Was passiert dann?
ANFANG

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"Das entscheide ich morgen - vermutlich auch noch nicht": Erledige ich dies? Kaufe ich das? Spreche ich jenes Thema an… Die meisten Entscheidungen treffen wir einfach. Dann gibt es jedoch Entscheidungen, vor denen wir uns drücken. Tagelang oder noch deutlich länger.

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Bitte nicht stören? (3,2 MiB)

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Wer schreibt hier?

Annette Jäckel, Texterin und Beraterin
schreibt für mittelständische Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen und berät Solo-UnternehmerInnen in Sachen Marketing & PR.
E-Mail: info(at)wortfreundin.com

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