Die „Entdeckung“ der Rolle als Fachkraft und die des Unternehmers/ der Unternehmerin, darum drehte sich der erste Teil des Blogbeitrags „Alles, nur das nicht“ der vergangenen Woche. Weshalb? Weil Fachkraft und UnternehmerIn, sich in Bezug auf die Ausgestaltung des Business' in die Quere kommen können. Und zwar dann, wenn die Rolle als Fachkraft dominiert. Also eine Konzentration auf das Spezialistentum, das rein Fachliche stattfindet – und es damit ziemlich schwer fällt, unternehmerische Aufgaben, wie Marketing/PR in den Business-Alltag geschmeidig und kontinuierlich zu integrieren.

Zeit für den nächsten Schritt, in Sachen UnternehmerIn-Sein.

„Ich versuche ja Marketing- / PR-Maßnahmen umzusetzen, aber es gelingt mir nicht/ ich komme über die ersten Schritte nicht hinaus...“

Das ist die mögliche Ausgangssituation einer PR-Beratung, verbunden mit dem Auftrag, schnellstmöglich ein Bündel wirkungsvoller Einzelmaßnahmen zu erarbeiten, die anschließend in der Praxis ein- und umgesetzt werden können.

Für die Erarbeitung eines fundierten PR-Konzepts setzt die Beratung jedoch nicht sofort im Detail, also bei den „guten“ Maßnahmen an, sondern schaut zunächst neugierig und interessiert auf das Solo-Unternehmen als Ganzes und die Persönlichkeit der Solo-Unternehmerin bzw. des Solo-Unternehmers. Wo steht das Gegenüber gerade mit seinem Unternehmen, was sind die Besonderheiten des Solo-Unternehmens, worin ist das Unternehmen stark, was ist noch ausbaufähig, was hat man bereits erreicht, wer sind die potentiellen KundInnen – und was soll eigentlich ZUKÜNFTIG sein?

Und an diesem Punkt kristallisiert sich ziemlich klar heraus, wer in der Beratung zunächst die Antworten gibt: es ist die Fachkraft. Denn die Dinge sollen zumeist ganz schnell „irgendwie“ besser werden, damit man wieder in Ruhe und ohne (finanzielle) Sorgen arbeiten kann. Alles Zukünftige wird sich finden, wenn es so weit ist, also die Zukunft eben irgendwann einfach da ist. Auftrag um Auftrag wird man ihr schon näher kommen.

Wer an diesem Startpunkt der Beratung dringend gefragt wäre, ist eigentlich der Unternehmer bzw. die Unternehmerin. Denn für die Entwicklung neuer Visionen ist er/sie zuständig. Nein, falsch, nicht zuständig. Sondern es ist das ureigenste Anliegen der unternehmerischen Persönlichkeit, Träume Realität werden zu lassen. Das ist es, was die Unternehmerin / den Unternehmer glücklich macht. Deshalb träumt man nicht nur, sondern setzt auch alles daran, mit voller Tatkraft aus Luftschlössern tatsächlich hübsche Gebäude zum Anfassen werden zu lassen.  Eigentlich.

Wäre da nicht die Fachkraft. Und diese dreht jedoch immer wieder nur an ein- und derselben (fachlichen) Schraube. Das erfordert einen riesigen Kraftaufwand, versucht sie doch so, alles andere, was sonst noch am Business hängt, unbesehen mitzunehmen. Dies kulminiert oftmals in Erschöpfung, dass man „ununterbrochen so viel tue, aber nichts wirklich dabei rumkomme“. Und es stimmt ja: Die Fachkraft tut das, was sie macht, in bester Absicht und das mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln. Erledigt sie nicht alle Aufträge in kürzester Zeit, findet sie nicht auch für Härtefälle eine gute Lösung und schleppt Sie sich nicht auch mit Fieber noch an den Schreibtisch?  Ja, ja, ja! Deshalb gilt es erst einmal, diese guten Absichten zu würdigen, ohne wenn und aber. Dann sollte man jedoch im nächsten Schritt die Auswirkungen dieses Handelns genauer unter die Lupe nehmen. Die Auswirkungen dessen, wird das Solo-Business permanent in erster Linie als Fachkraft erlebt und gestaltet: Was davon ist tatsächlich erwünscht, was möchte man anders haben? Und was wäre eigentlich, befragte man den unternehmerischen Anteil nach dessen Träumen und Wünschen?

Die Unternehmensvision ist DER unbeirrbare Kompass. In welche Richtung möchten Sie, dass sich Ihr Unternehmen und Sie sich als UnternehmerIn weiterentwickeln? Welcher Traum ist so grandios, dass dieser auf Sie als UnternehmerIn eine derart große Sogwirkung ausübt, dass Sie unbedingt dort hin wollen, egal, was Ihnen gerade sonst noch so durch den Kopf geht? Ihre Unternehmensvision gibt dem, was Sie JETZT tun, seinen Sinn, denn dies ist der nächste winzige oder vielleicht gar nicht mehr so kleine Schritt in diese große, neue Richtung. Das schafft Vertrauen gerade auch in Situationen, in denen es schwieriger ist – genauso wie die Nadel eines Kompasses, die auch bei stürmischer See immer nach Norden zeigt.

Eine Unternehmensvision unterstützt Sie:

  • sich seriös zu vergewissern, ob Sie noch auf Kurs sind, statt sich von der Illusion leiten zu lassen, alles wäre o.k., und das eben nur, weil Sie nichts haben an dem Sie sich messen können (oder messen lassen müssen)
  • sich nicht zu verbiegen oder einfach erst mal alles zu machen oder zu glauben, etwas ganz anderes anbieten zu müssen... was gerade NeugründerInnen leicht passieren kann
  • Ihre Stärken zu erkennen und so zu wissen, wie und wo Sie diese für Ihr Business am besten einsetzen können
  • Ihre Persönlichkeit und Ihre Business-Ziele immer besser miteinander in Einklang zu bringen. 

Diese Klarheit wirkt nicht nur im Außen und liefert damit nicht „nur“ das bestens geerdete Fundament für ein kluges PR-Konzept. Sondern Sie gewinnen auf diesem Weg an innerer Klarheit. Indem Sie nämlich für sich deutlich vor Augen haben: Wofür will ich als UnternehmerIn / und wofür will ich mit meinem Unternehmen stehen? Dadurch werden Sie auch von Ihrer Umgebung, Ihren KundInnen als authentisch, als glaubwürdiger wahrgenommen.

Die wirksamste Medizin, dass Ihnen Ihre Unternehmensvision auch im schnöden Alltag nicht abhanden kommt, heißt Aufmerksamkeit. Das heißt, dass Sie sich in Ihrer Rolle als UnternehmerIn regelmäßig mit Ihrer Unternehmensvision verbinden, den Kompass immer wieder bewusst in die Hand nehmen. Dies kann bedeuten, sich im Business-Alltag kleine Anker einzubauen, die als verlässliche Erinnerungshilfen dienen. Oder mit anderen Solo-Selbstständigen einen regelmäßigen Visions-Check zu vereinbaren oder eine Begleitung durch Coaching... Denn schließlich ist Ihre Vision nichts Abstraktes, sondern untrennbar mit Ihrer Unternehmenswirklichkeit verwoben. Also ein gewichtiger Grund, Ihre Vision in Ihrem Alltag regelmäßig andocken zu lassen. Vielleicht sogar, indem Sie schon einmal probeweise so fühlen, „als ob“ Sie bereits so groß wären, wie die Vision verheißt und dann schauen, welchen Unterschied dies bereits jetzt in Ihrem Handeln bewirken kann.

Bildnachweis: © Mopic - Fotolia.com

Hier geht es zu Teil 1 der Reihe "Alles, nur das nicht"
und hier zu Teil 3. 

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Alles, nur das nicht (2) (4,3 MiB)

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Wer schreibt hier?

Annette Jäckel, Texterin und Beraterin
schreibt für mittelständische Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen und berät Solo-UnternehmerInnen in Sachen Marketing & PR.
E-Mail: info(at)wortfreundin.com

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