Sie sind Solo-Selbstständige / Solo-Selbstständiger mit Leib und Seele. In Ihrem Business kennen Sie sich aus wie keine / kein Zweite(r). Vielleicht haben Sie schon lange davon geträumt genau das zu tun, wofür Ihr Herz höher schlägt. Vielleicht unternehmen Sie gerade die ersten Schritte in die Selbstständigkeit oder sind bereits geraume Zeit als Solo-Selbstständige unterwegs. In punkto Weiterbildung sind Sie auf dem neuesten Stand. Fachkundig können Sie Ihre KundInnen beraten und betreuen. Sie erledigen Ihre Aufträge und Aufgaben kreativ, professionell und mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl. Kurzum: Sie sind genau da und tun genau das, was Sie schon immer tun wollten, wäre da nicht diese eine Sache namens Marketing/Public Relations. Die sonst im fachkundigen Tun so geschmeidig laufende Maschinerie gerät hier nachhaltig ins Stottern, was sogar bis zum kurzfristigen Stillstand jeglichen Handelns führen kann. Und das zum Nachteil des eigenen Business', zum Nachteil Ihrer Zufriedenheit als Solo-Selbstständige(r). Denn wenn die Welt da draußen noch immer nicht weiß, dass es Sie und Ihr Solo-Business gibt, dann lässt auch der Erfolg auf Ihrem Konto und die Aufmerksamkeit/Reputation zu wünschen übrig, wovon Sie insgeheim träumen.


„Da müsste ich eigentlich mal was tun“.
„Jetzt fehlt nur noch ein bisschen Marketing, aber...“
„Das mache ich später/wenn xyz erledigt ist.“
„Das bringt doch alles nichts und kostet nur Zeit, die ich jetzt nicht habe.“


Die eine oder andere Äußerung klingt vielleicht gar nicht so unbekannt? Diese vier Beispielsätze haben eines gemeinsam: Marketing- und Public Relations Maßnahmen werden als DIE Spaßbremse erlebt, welche regelmäßig die harmonische Zweisamkeit von dem, was Sie gut können und dem, was Ihnen Freude in der Umsetzung macht, stört.

 

Und diese Empfindung ist ja keine Einbildung oder ein kleines Wölkchen am ansonsten strahlend blauen Himmel, welche sich mit gutem Zureden einfach so beseitigen ließe. Was hat es also mit diesen Gefühlen (der Freude an Ihrer Arbeit und dem Missmut gegenüber Public Relations/Marketing) auf sich?

Public Relations Maßnahmen als "Spaßbremse"?

Das Gehirn bewertet permanent unser Erleben und das, was wir tun. Diese Rückmeldungen erfolgen in erster Linie über Gefühle. Auf Basis dieser Feedbacks wird dann kategorisiert: z. B. „perfekt für mich“ oder „völlig daneben“ – und diese Entweder-Oder-Rückmeldungen werden so Leitschnur für zukünftiges Handeln in ähnlichen oder identen Situationen. Übrigens: Die rationalen Begründungen, WARUM etwas gut oder schlecht ist, die folgen allermeistens nachträglich, also im zweiten Schritt. Überwiegend wird erst einmal gefühlt und danach eine passende Begründung für den kühlen Kopf geschnitzt.

 

Wieder zurück zur Solo-Selbstständigkeit – und den dort erfolgenden Bewertungen. Wie sahen die nochmal aus? Bestimmtes Tun im Solo-Business wird als äußerst angenehm empfunden: „Das macht mir Freude“. Diese fühlt man stets dann, wenn das eigene fachliche Know-how gefragt ist und damit verbundene Aufgaben kompetent geschultert werden können. Gänzlich Fehlanzeige von Freude oder anderen euphorischen Gefühlen resultiert verlässlich aus der Beschäftigung mit Marketing- und Public Relations Maßnahmen. Die Konsequenz: Man wendet sich schnellstmöglich wieder dem Bereich zu, wo es verlässlich „fließt“. Dies sind die fachlich vertrauten Tätigkeiten.

 

„Flow“-Erlebnisse (untersucht von Mihalyi Csikszentmihalyi, 1996) werden subjektiv als leicht, beinahe spielerisch erlebt. Dadurch, dass man die Grundfertigkeiten erstklassig beherrscht, wie es beim Einsetzen des fachlichen Know-hows im Solo-Business ja der Fall ist, kommt einem dieses Tun so vor, als ob das meiste automatisch abliefe. Je stärker man von diesem Sog des Automatismus‘ absorbiert wird, desto stärker auch das Flow-Erleben. Die gefühlsmäßige wie rationale Bewertung im Gehirn fällt deshalb einstimmig aus: „Klasse, mehr davon“. Und bei Marketing/PR? Tja, da sieht es eher mager aus mit der Leichtigkeit, von schnurrenden Automatismen, weil man sich in der Materie gut beheimatet fühlt, ganz zu schweigen. Daumen runter also und das gleich doppelt, gefühlsmäßig wie rational.

Als UnternehmerIn mehr Kraft für Public Relations Maßnahmen entwickeln

Für das Solo-Business bedeutet dies: Als FACHKRAFT, die IM Unternehmen arbeitet (also deren Arbeitsmittelpunkt das perfekte Planen und Durchführen anstehender Aufträge und Aufgaben ist) können Sie so an Ihre Grenzen stoßen, wenn es um Dinge geht, die jenseits dieser fachlichen Tätigkeiten ebenfalls getan werden müssen.

 

Dabei handelt es sich um eine der kniffligsten Hürden des Selbstständigen-Daseins, dass es, um weiterhin als Solo-Selbstständige(r) erfolgreich zu sein um viel mehr geht, als fachlich „nur“ top zu sein. Es geht darum, Ihre unternehmerischen Kompetenzen zu entwickeln und zu stärken. Dabei „fließt“ am Anfang erst einmal erschütternd wenig, von den tollen Krafttankstellen, wie Sie sie von Erfolgserlebnissen aus Ihrem fachlichen Dasein kennen, ganz  zu schweigen. Da ist die Verlockung verständlicherweise groß, vom Tal der Mühsal schnell wieder in den sicheren Hafen der Fachkraft und dem damit verbundenen Flow zu wechseln.

 

Das meiste passiert also zunächst erst einmal im Kopf und nicht im realen Tun, z.B., dass Marketing/PR generell eine mühsame Angelegenheit ist. Und diese erfühlten Bewertungen, z.B. „dabei geht es mir einfach schlecht“, führen dazu, dass Sie den Schritt zur Gestalterin /zum Gestalter Ihres Unternehmens ein ums andere Mal verschieben – und sich damit selbst Wachstumshürden in den Weg schieben. Denn die erfolgreiche Entwicklung Ihres Solo-Business' erfolgt nicht in erster Instanz über Ihre tolle fachliche Arbeit IM Unternehmen, sondern AM Unternehmen und dazu gehören unter anderem Marketing- und Public Relations Maßnahmen.

 

Zunächst einmal ist es gut zu wissen, dass hier zwei Rollen um Ihre Gunst rittern: Die Unternehmerin/der Unternehmer auf der einen, die Fachkraft auf der anderen Seite. Beide wollen etwas: nämlich das Bestmögliche für Ihr Unternehmen. Jedoch ist keiner von beiden für sich allein stark genug, um es letztendlich auch allein zu schaffen. Ohne Ihr fachliches Know-how keine Dienstleistung, die angeboten werden kann, ohne unternehmerisches Agieren wird es jedoch unter Umständen für die Fachkraft auf Dauer immer weniger zu tun geben.

 

Sich Public Relations- und Marketing-Wissen anzueignen oder nach guter Unterstützung umzuschauen, damit schlagen Sie einen guten Weg ein, um Ihrer emotionale Achterbahnfahrt mittelfristig einen Schlusspunkt zu verpassen. Denn Sie wissen ja, wann der Flow da ist: Wenn Sie sich auf sicherem Boden bewegen, aus dem einfachen Grund, weil genügend fachliches Know-how da ist. Marketing/PR ist keine Geheimwissenschaft, weit entfernt davon trockene Materie zu sein und Sie bringt schon gar nicht mit sich, dass Sie sich Dinge ausdenken oder tun müssen, die mit Ihnen, Ihren Werten und Ihrem Unternehmen so gar nichts mehr zu tun haben. Sie haben es in der Hand, wie angenehm, fließend und leicht Sie sich die Wissensaneignung und Umsetzung oder die Suche nach der richtigen Unterstützung – die Ihnen genau das abnimmt, was Sie sich wünschen – gestalten. Es kann auch sinnvoll sein, sich bewusst Zeitfenster einzuteilen: Wie viel Zeit wollen Sie zukünftig der Rolle des Unternehmers, der Unternehmerin in Ihrem Solo-Business zugestehen? Wie messen Sie Ihre ersten Erfolge in PR/Marketing – und noch viel wichtiger: Wie belohnen Sie sich für Ihre Erfolge?

Bildnachweis: © Mopic - Fotolia.com

Hier geht es zu Teil 2 der Reihe "Alles, nur das nicht"
und hier zu Teil 3. 

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Alles, nur das nicht (1) (4,6 MiB)

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Wer schreibt hier?

Annette Jäckel, Texterin und Beraterin
schreibt für mittelständische Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen und berät Solo-UnternehmerInnen in Sachen Marketing & PR.
E-Mail: info(at)wortfreundin.com

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