Symbolbild Wenn ich einmal groß bin...

Jenseits der Berge und der 7 Zwerge geht es bereits los:  Die böse Stiefmutter rauft sich die prachtvollen Haare. Weil, nicht mehr sie ist es, die als die Schönste im Lande gilt. Deshalb richtet sie ihr ganzes Tun darauf aus, die Rangfolge wieder in ihrem Sinne neu anzuordnen. Der weitere Verlauf dieser Bemühungen ist bekannt.

Einfach nur sehr schön zu sein, genügt demnach also nicht. Weshalb? Weil immer noch mindestens 1000 Mal mehr geht. Woher man das weiß? Im Märchen ist es der Spiegel, der der Stiefmutter im Angesicht ihres eigenen perfekten Abbildes die für sie äußerst unbefriedigende Wahrheit offenbart.

Jenseits des Märchens entspringt die Messlatte einem emsigen Dauerscan rundum. Wie gut ist man als Solo-UnternehmerIn aufgestellt im Vergleich zu den „Großen“ der Branche?  Kann man mit seinem fachlichen Allerweltswissen gegenüber diesen oder jenen tollen SpezialistInnen der eigenen Zunft überhaupt noch als Kleine/r punkten?

Die Schlussfolgerung, die viele Solo-UnternehmerInnen hieraus ziehen, konzentriert sich zumeist auf einen einzigen Aspekt. Will man erfolgreich neben anderen bestehen, dann ist die wirksamste Lösung, die fachliche Fortbildung zu intensivieren. Und das heißt: Noch eine Weiterbildung besuchen Und noch eine. Und... So wird versucht, ein empfundenes Ungleichgewicht oder Defizit mit den Mitteln in den Griff zu bekommen, welche einem am geläufigsten sind. Dies ist bei vielen Solo-UnternehmerInnen eben genau jene fachliche Seite.

Indem man sich redlich bemüht, die noch perfektere Fachkraft werden zu wollen, kann völlig ins Hintertreffen geraten, dass es eigentlich auch um etwas ganz anderes geht. Statt eines „Wettrüstens“ der fachlichen Fertigkeiten, könnte man sich stattdessen in der Rolle als UnternehmerIn fragen: Wann hat man für sich selbst das letzte Mal überprüft, was fachlich eigentlich schon da ist? Und zwar bezogen auf das, was die angebotene Dienstleistung / die Produkte erforderlich machen? Weiß man eigentlich, wann es genug ist, wann man sein Ziel erreicht, wann man vorerst genug gelernt hat?

Das Wort „Lernen“ beschreibt im Deutschen zumeist einen zielgerichteten Prozess, der einen Schlusspunkt kennt: sich Kenntnisse bzw. Fertigkeiten anzueignen oder auch in der Lehre/in Ausbildung sein. Der Gebrauch des englischen „to learn“  eröffnet noch eine weitere Lesart: „How did you learn about it?“ oder „Wie hast Du das herausgefunden?“ Während man beim „Lernen“ geradewegs auf EIN Ziel zusteuert, zeigt das englische Beispiel eher einen tastenden Suchvorgang auf, ohne rigides Ziel, ohne klare Route, aber mit ungebremstem Erkenntnisinteresse, für alles, was da kommen mag. Diese Kreisbewegung, die so entsteht, spart den Suchenden, also sich selbst, nicht aus – und kommt damit dem Lernen in eigener Sache, in diesem Fall als Fachkraft UND als UnternehmerIn, ziemlich erfolgreich nahe:

* Sich hinterfragen: Sind es wirklich die vermeintlichen Schwächen wie z.B. „Ich weiß, dieses und jenes noch nicht“, die einem Erfolg im Wege stehen, oder sind es nicht gerade die Stärken, nämlich das, was bereits vorhanden ist, was  schon jetzt Erfolge möglich macht und gemacht hat?
* Wieder in Balance kommen: Welche Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt man jetzt und was kann man deshalb anbieten oder tun? Was soll zukünftig sein, in welche Richtung und in welchem Bereich möchte man sich deshalb fachlich und persönlich weiterentwickeln?
* Für sich festzulegen: Was sind die EIGENEN Maßstäbe, an denen man sich jetzt und zukünftig orientieren will?
* Sich in Beziehung bringen: statt auf die xte Fortbildung, erst mal auf eine reelle Selbst- und Markteinschätzung zu setzen. Und dann weitersehen.

Bildnachweis: © Orlando Florin Rosu - Fotolia.com

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"Was ist Ihre Klangfarbe?": Früher oder später wird jede(r) Solo-Selbstständige davon herausgefordert, den eigenen Kompetenzen / Business-Angeboten eine Form zu geben. Soll heißen, nach außen als UnternehmerIn gut sichtbar und (be)greifbar zu werden. Drei Lockerungsübungen.

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Wenn ich einmal groß bin... (2,6 MiB)

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Wer schreibt hier?

Annette Jäckel, Texterin und Beraterin
schreibt für mittelständische Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen und berät Solo-UnternehmerInnen in Sachen Marketing & PR.
E-Mail: info(at)wortfreundin.com

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Kommentar von Birgit Kump

Liebe Annette,

jetzt muss ich doch breit grinsen. Ich wurde sozusagen auf frischer Tat ertappt - wollte ich mich doch gerade zu einer gemütlichen Runde video2brain setzen und diverse fachliche Infos in meinen eh schon leicht überlasteten Kopf stopfen ... da lese ich glücklicherweise zuvor noch diesen Beitrag :-)

Das wirft die Nachmittagsplanung zugegeben etwas durcheinander, Krokodil und Meerschweinchen rüsten sich zum Wettkampf. Ob man dem Kleinen mal eine Chance einräumen sollte? Ich fürchte, es wird sich auszahlen ...

Also Reißleine ziehen und sich auf die Ressourcen besinnen - genau das werde ich jetzt einmal versuchen.

Liebe Grüße ein paar Häuser weiter,
Birgit

Antwort von Annette Jäckel

Hallo liebe Birgit,

herzlichen Dank für Deinen Kommentar - mitten aus dem Weiterbildungsleben;-) Geschrieben habe ich den Blogbeitrag übrigens, während ich selbst ein sehr inspirierendes Seminar zwecks aktiver Horizonterweiterung besuchte...

Für mich hat sich bewährt, gekoppelt an meine Wortfreundinnen-Ziele für das nächste Jahr, darauf so frühzeitig wie dies, je nach Anbieter eben möglich ist, meine Fortbildungsaktvitiäten zu planen. Dazwischen lasse ich mir genügend Zeit, um die Inhalte auch zu verdauen, meine schnell mitgekritztelten Mitschriften in Dokumentationen mit lesbarem Mehrwert zu verwandeln.
Mit dieser Richtschnur fahre ich ganz gut, wenn es darum geht, mehr oder weniger spontan noch Dinge dazuzunehmen: Macht das JETZT Sinn oder ist ein späterer Zeitpunkt mindestens genauso gut...

Herzliche Grüße von der Landstraße,
Annette