Symbolbild Schreiben - von Außen nach Innen

Ausgangssituation:
Sie sitzen NICHT am Schreibtisch. Allein der Gedanke an das Schreiben des Textes ist ausreichend, um Ihre Lebenszufriedenheit nachdrücklich zu senken. Nachfolgend drei Spielbälle, um den Spaß am Schreiben wieder hervor- und damit die passenden Buchstaben anzulocken.

Die Angst vor dem Anfang

  • Wer hat die Buchstaben?
    Haben Sie alle notwendigen Informationen, um losschreiben zu können oder fehlt noch Elementares bspw. weil es kein ordentliches Briefing mit dem Kunden gab? Hakt es vielleicht generell in der Beziehung zwischen Ihnen und dem Text-Auftraggeber, gibt es deshalb Dinge, die unbedingt noch geklärt/bereinigt werden müssen?
    Unklarheiten, Unsicherheiten herausfiltern und so wieder Handlungskompetenz und Ihre Kreativität zurückzugewinnen, ist das Ziel dieser Frage. Was können Sie nur gemeinsam mit den KundInnen aus dem Weg räumen? Oder gibt es auch Dinge, von denen Sie bisher lediglich annahmen, dass Ihnen die Hände gebunden sind, wo aber tatsächlich noch ungenutzter Spielraum für Sie da ist?

  • Geht es um Hindernisse jenseits der Buchstaben?
    Gibt es ein persönliches Problem mit einer anderen Person (z.B. ein Abstimmungsprozess, der jedem Schreiben vorangehen muss und Sie ein ums andere Mal nervt)? Oder haben Sie ein Schreib-Problem, verursacht durch Ihre Funktion, beispielsweise als VertreterIn eines Unternehmens, eines Vereins…?
    Aus dem Kreislauf der Schuldzuweisungen, des Abgeschnittenseins und des Verstrickens in die Defensive herausfinden, lautet hier der Routenvorschlag. Wie geht es Ihnen jetzt in dieser Situation: Wie würden Sie Ihre Stimmung beschreiben, von welchen Körperempfindungen wird diese begleitet? Wenn Sie sich vorstellen, eine Dritte, unbeteiligte Person würde Ihr als problematisch empfundenes Gegenüber fragen, wie es ihm oder ihr geht: Was würde Sie/Er antworten? Eine Neuausrichtung herbeizuführen, die GUT ist, nicht nur für Sie, sondern für alle Beteiligten der Situation, sollte am Ende dieses Klärungsprozesses stehen. Haben Sie Ideen für ein neues Bild der Situation? Was glauben Sie: Wie würde es Ihrem „Problemgeber“ mit diesem neuen Bild gehen? Welche Impulse, welche Körperempfindungen haben Sie dabei?

  • Sind Sie (vermeintlich) schon einmal zu oft gescheitert?
    Einmal hat es geklappt, aber viele Male, so Ihr Eindruck, offenbar nicht: einen Vortrag vorbereiten, regelmäßig für einen Newsletter zu schreiben, Kurztexte für ein fortlaufendes Gemeinschaftsprojekt beizusteuern. Und aus dem Gefühl heraus, schon viel zu oft erfolglos gewesen zu sein, stellen Sie Ihre Schreibarbeit nun bereits ein, bevor es überhaupt richtig losgeht mit dem Texten. Probieren Sie doch ein kleines Spiel aus, bei dem Sie Figuren die Regie übernehmen lassen. Eine Anleitung finden Sie hier.


Die Angst vor dem Ende
Sie trauen sich an den Text nicht heran, weil Sie sich vor dem Endergebnis fürchten. Aus Erfahrung wissen Sie, dass sich bestimmte Fragestellungen stetig wiederholen und zwar deshalb, weil sie sich strukturell bisher nicht beheben ließen. Deshalb kann Ihr Endresultat kein Optimum werden, weil Ihnen schreibend diese alles andere als optimale (Firmen-)Struktur im Weg steht.
Was steht Ihnen gerade näher: Die Erstellung des Texts oder Ideen, die Strukturen zu optimieren? Welche der beiden Aufgaben hat man Ihnen offiziell /inoffiziell übertragen? Das heißt: Ist Ihr Ziel einen Text zu schreiben oder ist Ihr Ziel eigentlich etwas ganz anderes? Wenn es prinzipiell (schon lange) gar nicht mehr um den Text, sondern etwas anderes geht, behindert Sie das Fern-Ziel bei der Lösung Ihrer ersten Aufgabe, dem Schreiben. Was kann Ihnen dabei helfen, diese „siamesischen Zwillinge“, Schreiben und Struktur, sanft voneinander zu entkoppeln? Und: Was passiert, wenn Sie zunächst „nur“ schreiben und nicht an der Struktur arbeiten, was wird besser, was verändert sich eventuell zum Negativen?


Keine Angst – aber auch keine Zeit
Wenn dieser leidige Text doch nur schon geschrieben wäre… Dabei geht es, setzt man sich erst einmal hin, im Regelfall recht schnell mit der Textproduktion. Soweit die Theorie. Praktisch ist einfach nie Zeit da, um zu schreiben.
Vermutlich begleitet Sie das Gefühl, IHRER Zeit immer einen Schritt hinterher zu flitzen, nicht nur bei diesem liegen gebliebenen Schreibprojekt. Vermutlich kennen Sie zudem bereits eine ganze Menge Zeitmanagement-Ratschläge und –Ratgeber, die der Arbeitsverdichtung im beruflichen Dasein einen Schritt voraus zu sein versuchen. Mein Vorschlag: Schöpfen Sie aus Ihrer Zeit.

  1. Für das Schreiben ein neues Zeitfenster öffnen.
    Zu welchen Zeiten haben Sie bisher versucht, Ihren Text fertig zu erstellen: immer mal wieder zwischendurch, gleich morgens als erstes, am Ende der Woche, wenn alles andere erledigt und mehr Ruhe ist – und nichts davon hat funktioniert? Dann ist jetzt der Punkt, diese alten, verbrauchten Zeitfenster und damit verbundenen Gefühle des Scheiterns loszulassen, etwas Neues zu probieren. Das kann beispielsweise die halbe Stunde sein, die man früher aufsteht und die NICHT für etwas anderes, sondern ausschließlich zum Schreiben genutzt wird. Oder zwei Schreibtermine, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, die fix im Kalender eingetragen sind – und Ihnen extra viel Zeit-Luft verschaffen, weil Sie vom Textumfang her eigentlich nur einen Termin zum Schreiben benötigen.

  2. Die Sensoren für die Gegenwart öffnen. Stets mit dem Gefühl zu leben, mit bestimmten Aufgaben hinterherzuhängen, das macht etwas – und zwar mit Ihrer Gegenwart. Diese zieht nämlich umso schneller an Ihnen vorbei, je mehr Sie in Ihr unterzubringen versuchen. Und: Je mehr man versucht hineinzupacken, desto weniger lässt sich dieses „mehr“ realisieren. Vergangenes, Gegenwart, Zukünftiges: Im Idealfall verschafft sich keines der Drei eine gefühlte, länger andauernde Übermacht. Je ausbalancierter das Verhältnis untereinander, desto besser klappt es mit der Verortung im Hier und Jetzt. Nicht gegen die Zeit, sondern wieder mit ihr zu arbeiten und in ihr zu leben, ist das Ziel. Was kann Sie unterstützen, das Gefühl für sich und die inneren Taktgeber zurückzuerobern? Sind Sie eher Morgenmensch oder Nachteule? Welche Möglichkeit gibt es, Ihre Tätigkeiten wieder besser daran auszurichten? An diesen Zeiträdchen sanft zu drehen, entstresst und vollbringt das Kunststück, Zeitautonomie wieder bewusst zu (er)leben.

Bildnachweis: © alphaspirit - Fotolia.com

Hier geht es zu Teil 2 "Schreiben - von Außen nach Innen": Arbeiten an der Grenze – die Buchstabensuppe.
Hier geht es zu Teil 1 "Schreiben - von Außen nach Innen": Arbeiten mit Freundinnen – die Buchstaben

 

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Schreiben - von Außen nach Innen 3 (4,2 MiB)

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Wer schreibt hier?

Annette Jäckel, Texterin und Beraterin
schreibt für mittelständische Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen und berät Solo-UnternehmerInnen in Sachen Marketing & PR.
Kontakt E-Mail: info(at)wortfreundin.com

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