Symbolbild Schreiben - von Außen nach Innen

Ausgangssituation:
Das Thema ist da, Sie sitzen am Schreibtisch, sind jedoch alles andere als tatendurstig.  Handliches Besteck hilft, um erfolgreich die Buchstaben aus der Suppe herauszulöffeln, die man sich (nicht immer) selbst eingebrockt hat.


Das Thema
…egal, ob ein selbst gewähltes oder ein vorgegebenes,  in beiden Fällen ist die erste Frage ident: Wie gut fühlen Sie sich in der Materie zu Hause? Sind tatsächlich die wichtigen Eckpfeiler vertraut, die notwendigen Kenntnisse vorhanden, um einen lesenswerten Text verfassen zu können? Oder sind wesentliche Dinge nur „so ungefähr klar“? An diesem Punkt sollte man ehrlich zu sich selbst sein. Auch größte Routine lässt einen nicht jede Wissenslücke schreibend-elegant umschiffen, so dass der inhaltliche Nährwert für die LeserInnen automatisch hoch bleibt. Schaffen Sie Abhilfe durch konzentrierte Recherche und überprüfen Sie die Schlüssigkeit Ihres Konzepts. Die Kunst ist, sich an diesem Punkt nicht von falschem Ehrgeiz (ver-)leiten zu lassen: „Konzept? Recherche? Ich bin doch kein Anfänger!“  Keine Zeit aus Unwissenheit oder Strukturlosigkeit zu verprassen ist das, was Profis von AnfängerInnen unterscheidet.


Fremd-Buchstaben
Zuweilen kann einem die vorgegebene Textbasis die Buchstabensuppe ordentlich versalzen.

* Ein Thema, das sich, z.B. für die KundInnenzeitung, regelmäßig wiederholt – ist dazu nicht wirklich schon ALLES irgendwann mal geschrieben worden? Im Wiederholungs-Fall, bringt ein mutiger Perspektivenwechsel die fehlende Würze in die Suppe. Wechsel der Perspektive bedeutet, sich von seiner gewohnten Berichts-/Kommentar…-sichtweise zu verabschieden, ebenso vom mühsamen Aufhübschen alter Textvorlagen. Wessen Sichtweise könnte im Mittelpunkt stehen, wenn nicht Sie es sind, die z.B. das jährliche KundInnen-Event Revue passieren lässt?  Von welchem Startpunkt sind Sie bei der Konzeption Ihres Textes ausgegangen, lässt sich dieser eventuell verschieben oder sogar umkehren und bringt damit die Dramaturgie in Schwung? Wie sparsam oder großzügig sind Sie bisher mit Bildmaterial umgegangen, lässt sich auf diesem Weg eine neue Beziehung zum Geschriebenen herstellen? Und: Wechseln Sie den Standort und tauschen Sie den Schreibtisch, an dem Sie schon gefühlte fünfzig begeisterte Berichte des jährlichen Golf-Events verfasst haben, zumindest zum „warm schreiben“, gegen einen unverbrauchten, neutralen Ort ein. Das weckt auch die übermüdeten Sinne und lässt neue, unverbrauchte Bilder sprießen.


* Ihr Text soll’s richten und widerstreitenden bis sperrigen Inhalten Sachlichkeit und Stimmigkeit verleihen? Das ist stets eine knifflige Sache, die bspw. bei Dokumentationen auftauchen kann. Worte können eine ganze Menge und Sie als der oder die Schreibende ebenfalls – nur ist es nicht sinnvoll, sich diesen Schuh 1:1 anzuziehen. Denn damit setzen Sie sich einerseits die Messlatte unerreichbar hoch, Stroh zu Gold spinnen zu wollen und andererseits bürden Sie sich eine Verantwortung auf, die Sie als DokumentarIn nicht tragen müssen. Sie sind verantwortlich für die Form (dass von Ihnen als Textergebnis ein Bericht o.ä. erwartet wird) und für eine inhaltlich logisch gegliederte Wiedergabe des Sachverhalts. Bei Zweiterem unterstützt Sie das „Verbindungsketten überprüfen“ aus Teil 1 dieser Reihe. Setzen Sie dabei an den Stellen, wo es Ihrer Meinung nach „hakt“, zunächst rigoros einen Platzhalter und verschwenden keinen weiteren Gedanken daran, was dort konkret inhaltlich stehen könnte. Der Platzhalter kann ein farbiger Balken, ein Symbol oder ein extra-großes Fragezeichen sein. Hauptsache, Sie trauen sich an die Textarbeit heran und finden so heraus aus dem Anspruch, bereits beim ersten Durchgang eine Lösung für jede inhaltliche Fußangel parat haben zu müssen. Wenn die „gestückelte“ Rohfassung erst einmal erstellt ist, haben Sie die größte Hürde erfolgreich genommen, indem Sie zwei Prozesse, nämlich Strukturieren und Lösungen finden, voneinander getrennt haben. Beides gleichzeitig umsetzen zu wollen, produziert lediglich Stillstand. Prüfen Sie im zweiten Durchgang, welche Lücken Sie selbst schließen können und wo Sie Unterstützung von einer zweiten, fachlich ebenso kundigen Person benötigen.


Freundliche Einstiegshilfen basteln
Es ist märchenhaft, zum Konzipieren, Strukturieren und Erstellen eines Textes alle Zeit der Welt zu haben, unterbrechungsfrei arbeiten zu können und sich zudem willensstark von nichts und niemandem ablenken zu lassen. Außerhalb des Märchenbuchs, im Arbeitsalltag, an Ihrem Schreibtisch, ist Zeit limitiert und (un-)willkommene Unterbrechungen lauern allerorten.
Den Basis-Einstieg erleichtert eine gute Ablage. Auf dass Sie nicht jedes Mal, sobald Sie am Schreibtisch sitzen, sich als erstes durch einen Notizberg quälen müssen, der weder geordnet, leserlich, noch inhaltlich wirklich brauchbar ist. Wie angenehm hingegen ist, für die noch sehr flüchtige Anfangsmotivation, wenn es mit einem richtig schön geordneten Archiv, der Fundgrube Ihrer besten Ideen, losgeht. Ein Archiv, von dem Sie stolz sagen können: Das ist alles meins und das ist richtig gut!
Wenn es aus Zeitgründen nicht möglich ist, Ihren Text in einem Rutsch durchzuschreiben, sollten Sie sich, bevor Sie das Dokument schließen oder ihre Unterlagen zur Seite schieben, noch eine Portion Gedankenzeit gönnen: Was erleichtert Ihnen den Wiedereinstieg in den Text? Dies kann der nächste, provisorische Satzanfang sein und auch ein paar resümierende Stichworte zu: Was ist bisher gut gelungen, was braucht der Text noch? Wichtig ist auch, Gedanken, die „jetzt“ wie selbstverständlich da sind, für das nächste Mal festzuhalten, denn sonst fangen Sie mühsam jenseits der „Null“ wieder an. Es motiviert ungemein, wenn Sie sich Ihre erreichten Fortschritte kontinuierlich vergegenwärtigen – und darüber freuen. So fällt es auch gleich viel leichter, sich das Weiterschreiben zu verordnen und den nächsten Termin verbindlich festzulegen: Wann geht es weiter mit Ihrem Text?

Bildnachweis: © alphaspirit - Fotolia.com

Hier geht es zu Teil 1 "Schreiben - von Außen nach Innen": Arbeiten mit Freundinnen – die Buchstaben.
Hier geht es zu Teil 3 "Schreiben - von Außen nach Innen": Arbeiten im Inneren: im Buchstabennebel.

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Schreiben - von Außen nach Innen 2 (3,8 MiB)

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Wer schreibt hier?

Annette Jäckel, Texterin und Beraterin
schreibt für mittelständische Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen und berät Solo-UnternehmerInnen in Sachen Marketing & PR.
E-Mail: info(at)wortfreundin.com

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