Symbolbild "Schreiben ist eine Kunst - Rechnen auch"

SEO fängt nicht bei Null an und erfindet nicht alles neu.
Stattdessen ist nach wie vor die Basis ein Text, der nun nach bestimmten Kriterien für die Online-Welt optimiert werden soll. „Guter Inhalt“ ist damit ein Wert, für den eine ganze Menge Aufwand betrieben wird. Diesen investiert man, weil „guter Inhalt“ derzeit als DIE Währung im Internet gilt, mit der man sich nicht nur Aufmerksamkeit, sondern dauerhaft die Gunst der KundInnen sichern will. Dem dürften auch die weniger SEO-Affinen zustimmen.

„Gute Inhalte“ zielen damit auf die Bedürfnisse der KundInnen.
Wie kommt man diesen möglichst nahe? Indem ein Unternehmen (potentiellen) KundInnen im Vorfeld genau zuhört. Im nächsten Schritt filtert das Unternehmen heraus, welche der Probleme und Fragen der KundInnen man am besten lösen kann. Daraus lassen sich dann, idealerweise in abteilungsübergreifender Zusammenarbeit, Antworten entwickeln, die im Ergebnis als „gute Inhalte“ auf verschiedenen Kanälen zur Verfügung gestellt werden. Inhalte, die deshalb gut sind, da sie sowohl das Informations- oder Unterhaltungsbedürfnis der KundInnen zielgenau treffen, als auch auf das zukünftige KundInnen-Unternehmens-Beziehungskonto wertvolle Vertrauenspunkte einzahlen.

Inhalte, die etwas wert sein sollen, entstehen nicht einfach so.
„Guter Inhalt“ wird auf diese Weise Bestandteil eines „großen“ Plans, einer Content-Strategie, deren Schritte (zuhören, auswerten, entwickeln, verteilen) so aussehen können, wie gerade eben beschrieben. Jeder Strategie geht eine genaue Zieldefinition voraus. Mittels Ziele können im Verlauf der Umsetzung Kurskorrekturen vorgenommen werden. Mittels Ziele kann hinterher messbar werden, ob das Gewünschte auch erreicht wurde. Einen Text auf „SEO zu trimmen“ oder dies eben zu lassen, das spielt für die Zieldefinition erst einmal keine Rolle. Genauso wenig wie das Entwickeln einer Strategie sich einzig und allein auf die Fragestellung reduzieren lässt, ob man sich für SEO-Optimierung entscheidet oder es Gründe geben könnte, die dagegen sprechen.

SEO ist damit EIN Baustein (einer Content-Strategie), aber kein Selbstläufer.
Einfach übergehen oder ignorieren, dass es die Technik der Suchmaschinen-Optimierung gibt, das gilt damit allerdings auch nicht mehr. Denn jeder Online-Text muss die Suchmaschine passieren und sich damit nolens volens den vorgegebenen Selektions- und Funktionsweisen aussetzen. Deshalb sollte man, als vielleicht bisher skeptischer Geist, denoch den SEO-ExpertInnnen gut zuhören. Denn sie arbeiten mit der Technik, die benötigt wird, wenn Internet und Text immer weiter zusammenwachsen. Wird die Technik als Mittel, aber nicht als Ziel definiert, dann sind die Grenzen für die Optimierungswirkmächtigkeit klar abgesteckt. Aber per se auch nicht so eingeschränkt, dass diese nicht mehr nutzbringend angewendet werden kann.

Bernhard von Mutius nennt es „Zweisprachigkeit des Denkens“
… wenn Entwicklung nicht abgewehrt, sondern versucht wird, den Kern des Wandels zu erkennen und diesem eine neue Qualität abzugewinnen. Versucht man dies auf SEO „ja oder nein?“ zu übertragen, könnte man vielleicht so schlussfolgern: SEO führt nicht alles bisher Dagewesene ad absurdum. Ebenso lässt sich das Rad nicht mehr zurückdrehen in die Zeit, in der Texte ausschließlich ohne Suchmaschinen gefunden und nicht via Social Media geteilt wurden. Der Hype um SEO zeigt aber auch, wie wichtig alles jenseits der Technik auch in Zukunft sein wird. Denn schon werden die Stimmen laut und lauter, die im Web nach „guten Inhalten“ verlangen, die mehr zu bieten haben, als ein Wiederkäuen dessen, was schon zigfach verlautbart wurde, in ermüdend gleichklingendem Vokabular. Der Web-TexterInnen Kreativität und Innovationskraft sind das, was nicht herbeioptimiert und eben nicht via Checkliste oder Tool adäquat ersetzt oder überhaupt erst generiert werden kann. So weit so selbstbewusst. Die Technik ist jedoch nicht feindliche Hürde, sondern ebenso selbstbewusstes Werkzeug, um mit den eigenen "guten Inhalten" nicht allein auf der kreativen Insel zu sitzen, sondern auch tatsächlich gefunden und für glaubwürdig befunden zu werden. Glaubwürdigkeit verlangt dabei nach einem umfassenden Engagement, wenn es tatsächlich darum geht, Unternehmenswerte, die langfristig wirken sollen, nach außen zu tragen. Dieses Bekenntnis zur identitätsstiftenden Qualität hat es in sich: In Zukunft nämlich nicht nur Zeit, sondern auch Strategie und Geld in die eigenen Werte und damit eben in „guten Inhalt“ investieren zu wollen.

Zum Abschluss noch ein paar „Optimierungsgedanken“:
Der Begriff des „Optimierens“ ist nahezu omnipräsent. Was könnte und sollte man nicht alles viel besser, deutlich effizienter, noch schöner machen. Schon lange sind damit nicht nur wirtschaftliche Verbesserungsprozesse gemeint. Auch sich selbst kann man zum Projekt ernennen, welches psychisch und physisch noch jede Menge Spielraum zu den optimalen 100 Prozent aufweist. Bei dieser Allgegenwart ist es eigentlich keiner gesonderten Erwähnung wert, wenn Optimierung auch bei Texten Anwendung findet bzw. finden soll. Oder etwa doch?
Die Ökonomie durchdringt mittlerweile, mehr oder weniger still und heimlich, beinahe alle Lebensbereiche. Damit besitzt sie große gestalterische Kraft und Einfluss, was man ehemals beispielsweise ausschließlich Religion oder Bildung zuerkannte. Wenn es die Ökonomie ist, die in der Praxis die Zielvorgaben macht, können eigentlich im Wortsinn hilfreiche und positive Vokabeln wie „Optimierung“ ihren Wirkungsgrad ausdehnen. Und zwar so weit, dass sie es sind, die bestimmen, wo es lang geht. Optimierung wird auf diese Weise zum Selbstzweck. Diskurse, die unter so einer Vorgabe ablaufen, schließen TeilnehmerInnen, die dem nicht folgen, aus dem Diskurs aus.  – Doch man hat es, so denke ich, selbst in der Hand, wem man das Spielfeld überlassen möchte.  Dafür ist es gut, sich auszukennen, in dem, was sich gerade verändert und wer  interessante DiskussionsteilnehmerInnen sind. So dass man sich mit seinen Ideen und dem „Zu-Wort-melden“ nicht nur mit ins Gespräch bringt, sondern ebenso aktiv teilnimmt als GestalterIn.

Buchtipp:
An ihr führt derzeit, so finde ich, kein Weg vorbei: Miriam Löffler und ihr mehr als sechshundert Seiten starkes Compendium „Think Content!“. Galileo Press. Bonn 2014. So viele ungeküsste Buch-Frösche habe ich schon in meinem Web-Lese-Leben angesammelt. Doch dieses Buch vermittelt seinen Inhalt nicht nur absolut lesefreundlich, sondern ist auch ein exzellentes Nachschlagewerk, das mich noch lange begleiten wird.

Linkempfehlung:
Günter Faltins Gedanken zum Markt und wer diesen wie für sich nutzen möchte, sind absolut lesenswert und nach wie vor aktuellst, angesichts des "Alters" der Publikation (1998): "Das Netz weiter werfen - Für eine neue Kultur unternehmerischen Handelns." Auf dieser Seite kann es als pdf-file heruntergeladen werden.

Bildnachweis: © olly - Fotolia.com

Teil 1 von "Schreiben ist eine Kunst - Rechnen auch" finden Sie hier
Teil 2 finden Sie hier
und Teil 3 hier

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Wer schreibt hier?

Annette Jäckel, Texterin und Beraterin
schreibt für mittelständische Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen und berät Solo-UnternehmerInnen in Sachen Marketing & PR.
Kontakt E-Mail: info(at)wortfreundin.com

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