Symbolbild Nicht schon wieder

Endlich die Präsentation vorbereiten, den letzten Umzugskarton auspacken, das Gedankenkarussell, das sich stets bei einem bestimmten Thema in Gang setzt, verändern, usw. Zuweilen steckt ziemlich der Wurm drin, wenn sich Vorhaben trotz eisernen Willens und größtmöglichen Tatendrangs wiederholt nicht erfolgreich zu Ende bringen lassen. Vorhaben, bei denen früher oder später der Moment kommt, in dem alles kippt, Tatendrang sich in Erschöpfung verwandelt und eiserner Wille zu Wachsplättchen mutiert. 

Dies ist eine Ausgangsbasis, der so ziemlich jedes Spurenelement an Leichtigkeit und Unbeschwertheit abhanden gekommen ist. Wo könnte hier ein Einstieg für eine andere, wieder deutlich leichtere Herangehensweise sein? Mein Vorschlag: Spielen Sie!

Ihr Spielmaterial:

Figuren(ähnliches)  (z.B. die kleinen Männchen aus den klassischen Gesellschaftsspielen, nett sind auch Playmobil oder Tierfiguren oder Knöpfe oder...), kleine Zettel, Stift, ein Tisch – Zeit (1h wäre schon ziemlich gut...)

Die Spielregeln:

  1. Bitte formulieren Sie als erstes einen Satz, der Ihr Vorhaben, Ihren Wunsch, Ihr Ziel für Sie klar zum Ausdruck bringt, z. B. „Ich möchte für die Netzwerktagung eine Präsentation zum Thema xy erstellen“. Unbedingt: Der Satz sollte zu 100 Prozent positiv sein, also Zusätze wie „... Präsentation zum Thema xy erstellen und diesmal nicht wieder im ersten Drittel hängen bleiben“, sind nicht erlaubt. Ihren Satz schreiben Sie auf einen kleinen Zettel und wählen anschließend eine Figur aus. Diese platzieren Sie auf dem Tisch vor Ihnen, den Zettel schieben Sie bitte unter die Figur – als Orientierungshilfe für später, damit Sie immer im Blick haben, wer wer ist.

  2. Jetzt kommt der Auftritt  der weiteren Mitspieler. Wer das sein kann? Im Beispiel der Präsentation z.B. „Vortragssituation“ (wie geht es mir, wenn ich die Präsentation vor Publikum vorstelle), „Zeit“ (die ich benötige, um die Präsentation vorzubereiten), „Material“ (das Sammeln, Auswerten und Zusammenstellen) ... Das bedeutet, Sie denken die Situation vom erfolgreichen Ende her: Welche Schritte haben Sie umgesetzt, welche Dinge unternommen, was sind wichtige Begleitfaktoren, um Ihr Ziel/Vorhaben/Wunsch zu erreichen? Für jedes Element wählen Sie wieder eine Figur aus und platzieren diese, ohne langes Nachdenken, auf dem Tisch. Den beschrifteten Zettel unterhalb der Figur bitte nicht vergessen. Es ist jederzeit möglich, Figuren hinzuzufügen, an anderer Stelle auf dem Tisch zu platzieren, umzubenennen oder auch zu entfernen, wenn diese im Spielverlauf überflüssig geworden sind.

  3. Auf dem Tisch vor Ihnen hat sich eine kleine Menschenmenge versammelt. Wer steht wo? Sind die einzelnen Mitspieler bereits am richtigen Platz oder möchten Sie einen oder auch mehrere neu positionieren? Nehmen Sie sich Zeit, die Szenerie nach Ihren Wünschen zu gestalten. Stehen Sie zwischendurch ruhig auf, umrunden den Tisch, um alles in Ruhe aus wechselnden Perspektiven anzuschauen und wirken zu lassen. Fehlt evtl. noch jemand? Wo steht Ihr Vorhaben/Wunsch/Ziel: mittig, am Rand? Wer befindet sich in der Nähe dieser Figur?  Haben sich bereits kleine Gruppen gebildet oder steht jeder für sich allein? Ist eine Figur besonders prominent platziert?

  4. Wenn Sie sich jetzt nochmals jeden Mitspieler im einzelnen anschauen, welcher Gruppe würden Sie diesen zuordnen: Gehört die Figur eher zu den Unterstützern für Ihr Vorhaben/Wunsch/Ziel oder ist diese vielmehr ein „Störfaktor“? Wie stark sind die Unterstützer-/Störqualitäten bei den Einzel-Figuren ausgeprägt? Gibt es welche, die besonders „mächtig“ sind? Wo stehen diese – auch in Relation zu Ihrem Wunsch/Ziel/Vorhaben? Gibt es Figuren, die an Bedeutung verloren haben? Sind genügend „Unterstützer“ für Ihr Vorhaben/Wunsch/Ziel auf dem Spielfeld oder möchten Sie sich noch jemanden dazuholen? Wie wirkt sich die Stärke der einzelnen Mitspieler aus auf Ihr Ziel/Wunsch/Vorhaben? Ist dies tatsächlich rundum positiv/negativ? Lässt sich evtl. eine andere Figur finden, die das Positive noch bestärken/das Negative verändern/neutralisieren/aus einem anderen Blickwinkel sehen kann? Was verändert sich dann auf Ihrem Spielfeld? Stehen alle noch am richtigen Platz? Gibt es Figuren, die ganz besonders beweglich sind und sich nur schwer platzieren lassen – hat das Auswirkungen auf die anderen? In dieser Spielphase hilft es, sich immer wieder auf Ihre Hauptfigur, den Wunsch/das Vorhaben/Ihr Ziel zu konzentrieren und aus der Perspektive dieser Figur auf das Spielfeld zu schauen: Was ist bereits gut? Was lässt sich noch verbessern, wen würde man evtl. am liebsten vom Spielfeld verbannen, wer ist ganz besonders wichtig, steht aber vielleicht noch viel zu weit entfernt?

 

Das Spiel mit den Figuren macht Dinge sichtbar. Aus einem eng verknoteten Knäuel an Gefühlen und Gedanken werden wieder Einzelteile. Diese können Sie benennen und damit besser in ihren Auswirkungen und Qualitäten einordnen. Das Spiel macht Dinge jedoch nicht nur sichtbar, sondern auch veränderbar. Durch das Aufsplitten in Einzelteile drehen Sie dabei an kleinen, überschaubaren Schrauben. So können Sie unmittelbar die Auswirkungen überprüfen und ggfls. wieder rückgängig machen, sollte eine Veränderung doch nicht den gewünschten Effekt erzielen. Das Spiel ist beendet, wenn Sie, in Ihrer Perspektive der Hauptfigur, zufrieden sind. Was hat sich verändert? Welche Unterstützer sind für Sie zukünftig wichtig? Was ist aus den (vermeintlichen?) Störfaktoren geworden? ... 

Einfach ausprobieren – am besten, Sie starten mit einer „kleineren“ Sache und nehmen sich ausreichend Zeit. Hilfreich ist, wenn Sie sich ein nettes, wohlwollendes aber auch beherzt nachfragendes Gegenüber einladen, das, wenn das Spiel einmal ins Stocken gerät, mit einer Frage weiterhilft, Sie daran erinnert aufzustehen und die Perspektive zu wechseln und Impulse setzt, die von Ihnen aufgenommen werden können – aber nicht müssen. Es ist Ihr Spiel. Viel Spaß dabei!

 

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"So grade eben...": Obwohl der Abgabetermin für den Text alles andere als knapp bemessen war, kauert man nun über dem Laptop und tippt im Stakkato gegen die Zeit. Aber: Es wird auch diesmal wieder gutgehen. „Gut gehen???

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Wer schreibt hier?

Annette Jäckel, Texterin und Beraterin
schreibt für mittelständische Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen und berät Solo-UnternehmerInnen in Sachen Marketing & PR.
E-Mail: info(at)wortfreundin.com

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