Symbolbild Lieblingsjobs

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“.

Damit bin ich groß geworden – nein, stimmt nicht. Besonders groß bin ich nicht geworden, knapp 1,60 m ergab die letzte Messung im ausgewachsensten Zustand. Richtiger also: Mit diesem Satz bin ich aufgewachsen, er war beständiger, in einer ganz bestimmten Tonlage vorgebrachter Begleiter, der ebenso kompromisslos vorgelebt wurde. Etwas machte ganz besonders viel oder vielleicht nur ein ganz kleines bisschen Spaß? Damit fiel es sofort nicht mehr unter Arbeit und musste, klarer Fall, auf ein sich unbestimmt ausdehnendes „späääääter“ verschoben werden. Und irgendetwas, das nun wirklich kein bis überhaupt kein Vergnügen machte, fand sich immer. 

"Arbeit vs. Vergnügen": Was ist mir davon heute geblieben?

  1. Irgendwie sollte man sich organisieren – oder „die Dinge geregelt kriegen“, die für einen selbst wichtig sind. Mit diesem disziplinierten Bewusstsein beispielsweise auf den anstehenden Arbeitstag zu gucken oder zunächst weit entfernte Ziele so Stück für Stück realistischer werden zu lassen, das finde ich gut. Nur was die Wahl des Organisationsprinzips betrifft, da denke ich, kann man sich durchaus in mehr spielerischer Geschmeidigkeit üben. Und zu spielen, das hat mir schon immer Spaß gemacht. Es ist Phantasie mit drin, Interaktion, das Grenzen austesten, ständig in Bewegung zu sein, Erfahrungen zu sammeln und zu sehen, wie und ob man weiterkommt. Zu spielen setzt bei mir ungeahnte Energien frei. Das Spiel an sich, das ist es, was motiviert. Ergebnisse zu erzielen, die bei jedem Auftrag das Ende markieren, dafür muss ich mich im Spiel nicht gesondert motivieren. Dies passiert quasi nebenbei. Es hievt die Ergebnisse in neue Dimensionen. Weil ich mir im Spiel einfach mehr zutraue, erweitere ich so immer auch meine Möglichkeiten.

  2. Spielen ist ansteckend. Bei einem Ferienjob als Studentin war ich rasch gefragt als diejenige, die aus scheinbar schwierigen bis verkorksten Texten jene Essenz herauskristallisierte, die man vorher vergeblich herbeizuschreiben versuchte. „Mit Ihnen geht das immer so leicht“, war verblüffter Kommentar der Abteilungsleiterin, die zunächst nicht glauben konnte, dass der lange hin- und hergeschobene Brief innerhalb kürzester Zeit geschrieben war. – Und die sich voller Tatendrang umgehend auf die nächste Korrespondenz mit „Liegequalitäten“ stürzte.
    Genau das mache ich heute, viele Lehrjahre später: Spielerische Leichtigkeit in Kommunikationsprozesse hineinzubringen, in denen sie verloren gegangen ist oder der bisherige Zugang eine andere Sicht- und Herangehensweise eher erschwert hat. Neue Möglichkeiten zu erarbeiten, zu prüfen, ob das Richtige dabei ist und mich dann wieder aus diesem Spielfeld zurückzuziehen und ein neues zu erorbern, das ist heute mein absoluter Lieblingsjob.

  3. Es gibt ihn also auch für mich, den Lieblingsjob. Indem Vergnügen und Arbeit sich weder ausschließen müssen, noch eine starr einzuhaltende Reihenfolge implizieren, einfach dadurch, indem ich spiele. Damit bin ich allerdings zugleich deutlich sensibler geworden für: „Das ist es, was mich zufrieden macht“ oder „Das passt für mich nicht (mehr).“ Mein Lieblingsjob sind damit viele Lieblingsjobs. Der, den ich gerade innehabe, die, die ich bereits ausgeübt habe und diejenigen, die noch vor mir liegen werden. Im Spiel teste ich Grenzen aus und damit eröffnen sich kontinuierlich neue Möglichkeiten. Der Lieblingsjob von heute wird damit zugleich zur Leiter für den Lieblingsjob von morgen oder übermorgen. In allem steckt immer die Option für alles Weitere. Keine Frage, das macht und ist viel Arbeit. Es ist aber auch für mich keine Frage mehr: Das macht ziemlich viel Vergnügen.

„Nicht an sich zu arbeiten heißt, den anderen keine Gelegenheit zu geben, eine bessere Version von uns kennenzulernen – und das wäre bedauerlich.“ Matthias Varga von Kibéd

Bildnachweis: © carloscastilla - Fotolia.com

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Schreibblockade – wenn das Unbewusste auf Tauchstation geht: Ich war verblüfft. Vor mir ein weißes Blatt Papier, in der Hand der Kugelschreiber, neben mir das gelesene Buch, über das ich eine kurze Rezension schreiben wollte – und nichts passierte.

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Wer schreibt hier?

Annette Jäckel, Texterin und Beraterin
schreibt für mittelständische Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen und berät Solo-UnternehmerInnen in Sachen Marketing & PR.
Kontakt E-Mail: info(at)wortfreundin.com

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