Symbolbild Keine Fliegen fangen

Wir gehen ins Finale der kleinen Blog-Reihe „Keine Fliegen fangen“. KundInnen-Beziehungen aufbauen und pflegen, dies stellte der erste Teil als alternative Lesart für Marketing vor. Daran anschließend beschäftigte sich Beitrag Nr. 2 mit den Begleiterscheinungen aktiven Marketing-Tuns: als Solo-UnternehmerIn sichtbar und begreifbar werden für die KundInnen. Und jetzt fahren wir im dritten und letzten Teil die gesamte Wegstrecke noch einmal ab: Was sollte sich mit-verändern, damit Marketing als Baustein auch zu den anderen Unternehmens-Bestandteilen und der UnternehmerInnen-Persönlichkeit passt?

 

Bestandscheck

Man hat es sich in seinem Solo-Unternehmen eingerichtet, praktische Abläufe etabliert, spannende Angebote erdacht, es existierten Wertvorstellungen denen man folgt, kleinere und größere Unternehmensziele gibt es, sogar eine Unternehmensvision, die Ansporn für das Unternehmen von übermorgen ist. Manches davon ist mal präsenter oder rutscht zuweilen in den Hintergrund. Mit einigen Rahmenbedingungen ist man zufrieden, andere verursachen hin und wieder Ärger, aber: Man ist schließlich Chefin oder Chef im eigenen Unternehmens-Haus und kann die unternehmerischen Eckdaten so gestalten, wie es am angenehmsten für einen selbst ist.

 

O.k. – und wo in diesem Gebilde, das bestmöglich auf den Solo-Unternehmer bzw. Solo-Unternehmerin ausgerichtet ist, haben die KundInnen Ihren Standort?

 

Das ist die zentrale Fragestellung – und schlichtweg der Nährboden, auf dem Marketing wachsen und gedeihen kann oder eben zum nervigen Stückwerk verkümmert. Kreist man als Solo-UnternehmerIn mit Vorliebe um sich selbst, erschafft einen Kosmos, in dem KundInnen als Randerscheinung irgendwie geduldet werden oder nur auftauchen, um im Anschluss wieder zu verschwinden, dann wird es schwer, Beziehungsaufbau und Pflege kontinuierlich wie erfolgreich im Solo-Unternehmen zu verankern. Es sei denn, man erweitert konsequent den eigenen Blickwinkel. Bisher hat man sehr intensiv nach innen geschaut: Was ist gut für mich, welche Angebote gefallen mir, was könnte ich demnächst noch anbieten? Zukünftig ergänzt Marketing diese Innenschau durch eine Außenperspektive: Was ist gut für meine KundInnen? Welche Angebote kommen bei ihnen gut an? Was wünschen Sie sich an weiteren Dienstleistungen von  mir?

 

Einen Schritt voraus

Durch den unmittelbaren Kontakt mit (potenziellen) KundInnen weiß man, lange bevor beispielsweise viel Zeit und Geld in das fertige Endprodukt oder das Feintuning einer Dienstleistung investiert wurde, ob die gewünschten KäuferInnen genauso Feuer und Flamme sind wie man selbst und auch welcher Preis ihnen das Angebotene wert sein könnte. So zu arbeiten, mit beständiger Blick- und häufiger Kontaktrichtung zu den KundInnen, kann unter Umständen die bisherige Solo-UnternehmerInnen-Praxis auf den Kopf stellen. Wird das theoretische Planen, ohne Einbindung der KundInnen, doch im Business-Kontext grundsätzlich ganz groß geschrieben, was sehr oft nichts anderes heißt als: Man überlegt sich, wie etwas sein könnte, bspw. der Bedarf für ein Angebot und legt auf dieser Annahme einen Preis fest. Dann geht man in Klausur, arbeitet das Angebot bis ins letzte Detail aus und erst dann präsentiert man dies in schönstem Design der staunenden Menge – um unter Umständen festzustellen, dass da kaum jemand ist, der sich hierfür interessiert oder dafür etwas bezahlten möchte. Sodann werden rasante „Jetzt muss ich mal ein bisschen Marketing machen“-Aktivitäten begonnen. Die Frage, weshalb genau diese oder jene Maßnahme gewählt wurde, löst dabei häufig nur Achselzucken aus. Und ist ein Beispiel für das weiter oben genannte „Stückwerk“, das wenig mit Marketing zu tun hat und noch viel weniger Wirkung zeigt.

 

Haltungssache

Nimmt man die Außenperspektive ein und ernst dazu, dann sollte man sich genauso mit den Folgewirkungen auseinandersetzen wollen.

  • Also tatsächlich interessiert sein an den Rückmeldungen der KundInnen, die nicht zwangsläufig das widerspiegeln müssen, was man selbst am liebsten über seine Angebote hören möchte.
  • Es bedeutet auch, die Tagesstruktur neu zu überdenken, denn die Kommunikation mit den KundInnen erfordert Zeit.
  • Die Unternehmensabläufe bis hin zum Unternehmensauftritt konsequent immer und immer wieder aus KundInnensicht zu überprüfen und zu verbessern.

Hierbei kann man den Vorteil, Solo-UnternehmerIn zu sein, für sich arbeiten lassen:
* Wendigkeit als kleines Unternehmen
* direkter Draht zu den KundInnen
* blitzschnelle Entscheidungswege.

 

Um Marketing aus einem Guss für sich als Solo-UnternehmerIn umsetzen zu können, ist die eigene Haltung entscheidend. Werden KundInnen aus sie betreffenden Prozessen zu lange ausgeklammert, dann kann es sehr einsam werden im Zentrum des Unternehmens. Wird es jedoch zum ureigenen Anliegen, hier stets in gutem Kontakt zu sein, zu den eigenen Bedürfnissen genauso wie zu denen Ihrer KundInnen, dann profitieren beide Seiten. Die KundInnen, die sich bei Ihnen als Solo-UnternehmerIn rundum gut betreut fühlen und damit zu StammkundInnen werden können. Und Sie werden zu einem Solo-Unternehmen, das man gerne weiterempfiehlt und zwar für die Dinge, für die Sie auch tatsächlich weiterempfohlen werden möchten.

Bildnachweis: © Sergey Nivens - Fotolia.com

Linktipp extern:
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Wenn Ihnen dieser Beitrag der Wortfreundin gefallen hat, wie wäre es dann damit?
Sprechen Ihre Angebote für Sie? … oder anders herum gefragt: Wie viel Kommunikationszeit investieren Sie in potentielle KundInnen, BEVOR Sie ein Angebot erstellen?

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Keine Fliegen fangen (3) (3,6 MiB)

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Wer schreibt hier?

Annette Jäckel, Texterin und Beraterin
schreibt für mittelständische Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen und berät Solo-UnternehmerInnen in Sachen Marketing & PR.
Kontakt E-Mail: info(at)wortfreundin.com

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