Symbolbild "Keine Fliegen fangen"

Im ersten Teil der Mini-Blogreihe „Keine Fliegen fangen“ wurde die Marketing-Vorstellungswelt auf den Prüfstand gehoben. Wie up to date und von welcher Art ist diese? Welche Konsequenzen sind für Solo-UnternehmerInnen möglich, gewichtet man die Informationsbasis neu und offeriert der Vorstellungswelt andere Andockpunkte? Beziehungen aufbauen und pflegen, das ist das, worauf (nicht nur) das Marketing zählt, war ein Angebot für neue Perspektiven aus Teil 1.

Dieser Text beginnt nun erneut mit der schon aus Teil 1 bekannten Startposition. Einer Startposition, durch die überhaupt erst die (unfreiwillige) Schneise in Richtung Marketing geschlagen wird:  Man möchte sich professioneller präsentieren als UnternehmerIn, das eigene Profil schärfen, die Angebote neu oder besser strukturieren, um zukünftig nicht nur mehr KundInnen für die eigene Dienstleistung oder Produkte zu begeistern, sondern auch verstärkt WunschkundInnen auf sich aufmerksam zu machen.

Denkt man diese Startposition nun weiter, und zwar so wie in Teil 1 vorgeschlagen mit nagelneuer Lesebrille „Beziehungen aufbauen und pflegen“, konzipiert zudem nicht nur nach schönstem Lehrbuch, sondern, geleitet von den individuellen Zielen, eine richtig praxistaugliche Schritt-für-Schritt-Strategie: Was ist dann möglich? Ist man nun motiviert zum weitergehen oder in erster Linie zum weiterdenken ?

Gar nicht so selten bleibt alles erst einmal im Kopf. Also das Weiterdenken und nicht das Handeln, hält weiterhin das Steuer – schweigend – in der Hand. Und das, obwohl eine wunderbar illustrierte Wegbeschreibung vor einem liegt, man evtl. sogar gemeinsam mit Begleitung die ersten Probe-Schritte unternehmen könnte?

Ein möglicher Verursacher ist schnell gefunden: MARKETING. Denn Marketing lässt sich nicht nur unter dem Beziehungsaspekt, wie in Teil 1 beschrieben, begrifflich fassen.  Sondern Marketing definiert sich ebenso über das TUN. Das heißt, ohne (mehr oder weniger) zielgerichtete Aktivitäten, ist es eben kein Marketing, was da stattfindet, sondern lediglich ein Nachdenken im Sinne eines „Man könnte, sollte, müsste…“  Das ist für viele Solo-UnternehmerInnen auch keine wirkliche Neuigkeit, dass, wer Marketing sagt, auch die Verpflichtung zum selbst aktiv werden mit ins Boot holt.

Sichtbar zu werden, indem Marketing ziemlich kompromisslos die bisherige Tarnkappe lüftet, das wirft zuweilen seinen langen angstauslösenden Schatten voraus – und kann zu eiligen Fluchtbewegungen zurück oder sogar zu einer weiteren Verlängerung des „Irgendwann werde ich…“-Zustands führen. Indem man für sein Solo-Unternehmen sichtbar die Nase in den Wind hält, greifbar und begreifbar für die KundInnen wird, kann zugleich auch die Angst vor Ablehnung größer werden. Allein dadurch, dass auf einmal viel mehr Menschen mitbekommen könnten, was gut ist, genauso wie auch alle möglichen Fehler, die ebenfalls jederzeit und jedem passieren können. Und der Kreisel im Kopf kann noch eine weitere Runde drehen: „Wäre es nicht sogar besser, man wartet mit dem Marketing so lange, bis WIRKLICH ALLES perfekt ist?“ 

Balsam für das eigene Selbstbewusstsein und wachsendes Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten fühlen sich irgendwie anders an. Im schlechtesten Fall kann dies so weit gehen, dass das größte Zeitkontingent dafür aufgewendet wird, sich zu ängstigen. So bleibt kaum mehr etwas vom Tage übrig, um Sinnvolles umzusetzen. Dabei sind es gerade die kleinen Schritte des Tuns, des „hin zu“, durch die das Selbstvertrauen sich als „Ich kann etwas bewirken“ erleben und seine Reserven wieder auffüllen kann.  Für das Marketing-Kernstück, den Beziehungsaufbau, ist es denkbar schlecht, sich selbst so außerhalb seiner Mitte zu bewegen.

Wenn es Marketing nun einmal nicht „ohne“ gibt, also ohne selbst nach vorne zu gehen, sich zu zeigen und zu tun: Wie sieht es aus, das auf Sie zugeschnittene unternehmerische Umfeld, welches Sie genau dabei unterstützt?

Für sich und dieses neue Arbeitsfeld „als UnternehmerIn sichtbar zu werden“ eine gute Balance zu finden,  kann bedeuten, sich erneut intensiver mit seinen persönlichen und  unternehmerischen Haltungen auseinanderzusetzen. Persönlichen Haltungen, die da heißen können „Ich will mich nicht verkaufen“ und die auf ein Unternehmensziel namens „Ich möchte, dass meine Produkte / Dienstleistung gekauft werden“ treffen.

Haltungen lassen sich verändern – dadurch, indem man sich anders verhält. Statt aus Angst den Schritt nach außen nicht zu wagen, richtet man deshalb den Blick NICHT auf mögliche und unmögliche Situationen, sondern stattdessen auf das eigene Verhalten. Was tut man eigentlich genau, wenn man sich „nicht verkaufen will“? Was ist der erste Schritt, was folgt danach? Wie reagieren andere darauf, wenn man so agiert? Und was passiert in Folge bei einem selbst, wie reagiert man?

Verhaltensweisen, die „eben so sind“, weil sie unwillkürlich und nicht bewusst ablaufen, werden auf diese Weise aus dem Schatten des „nicht wahrnehmbaren“ hervorgeholt und in kleinen Portionen sichtbar gemacht. Damit wird deutlich: Man selbst tut etwas und nicht ein abstraktes „Es“. Und wenn das so ist, dass die einzelnen Aktionen und Reaktion selbst kreiert sind, dann müsste es doch auch die Option geben, an irgendeiner selbst gewählten Stelle etwas anderes zu tun und zu schauen: Was verändert das bei einem selbst und was löst dies wiederum bei den anderen aus? Bringt einen diese Veränderung der persönlichen und unternehmerischen Balance wieder näher? Was fehlt noch?

Um sich den passenden Rahmen zu (er)schaffen, der es ermöglicht, jetzt und nicht irgendwann, aktiv zu werden, ist es wichtig:
* „Im Tun“ zu bleiben, kleine Schritte setzen
* auszuprobieren
* mit Verhaltensmustern zu arbeiten und diese zu „modellieren“
* statt auf eine „ferne“ Zukunft hinzuarbeiten,  jetzt gegensteuern
   – und einfach machen.

Bildnachweis: © Sergey Nivens - Fotolia.com

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"Alles, nur das nicht": Marketing/PR ist für gar nicht so wenige Solo-Selbstständige nur eines: mühsam. Grund für einen kleinen Ausflug in Herz und Kopf.

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Keine Fliegen fangen (2) (3,9 MiB)

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Wer schreibt hier?

Annette Jäckel, Texterin und Beraterin
schreibt für mittelständische Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen und berät Solo-UnternehmerInnen in Sachen Marketing & PR.
Kontakt E-Mail: info(at)wortfreundin.com

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