Symbolbild "Schöner Fliegen fangen"

Genau, das ist es: Man möchte sich professioneller präsentieren als UnternehmerIn, das eigene Profil schärfen, die Angebote neu oder besser strukturieren, um zukünftig nicht nur mehr KundInnen für die eigene Dienstleistung oder Produkte zu begeistern, sondern auch verstärkt WunschkundInnen auf sich aufmerksam zu machen.

So weit, so anfangs-euphorisch. Doch der Mut und die Motivation, sich von jetzt an eigenverantwortlich der Entwicklung  des eigenen Solo-Business’ zu widmen, ist nicht frei von tief sitzenden Ambivalenzen. Sich zunächst souverän von vermeintlich ewiggültigen Vorstellungen und festverankerten Überzeugungen freizuschwimmen – das ist häufig das Herzstück des Beratungsprozesses mit Solo-UnternehmerInnen.

Alles loszuwerden, was nur einen möglichen Anschein von „Verkauf“ oder „sich verkaufen“ hat – dies rangiert auf der Wunschliste vieler Solo-Selbstständiger auf Platz 1 oder wahlweise Platz 2. Dicht gefolgt oder überholt wird dieser Wunsch meist nur von: „Ich möchte zukünftig mehr KundInnen haben“. Und damit steckt man schon mittendrin, in der vertracktesten aller Ein-Schritt-vor-und-zwei-Schritte-zurück-Zwickmühlen. Denn will man (weiterhin) nicht oder nichts verkaufen, dann wird es weiterhin schwierig mit der Annäherung an das Ziel, jener aus allen Richtungen herbeiströmenden KundInnen.

Klopft man das „Verkaufen“ oder „sich verkaufen“ einmal intensiver ab bezüglich seines unangenehmen Wirkpotentials, dann nährt sich die Abneigung vieler Solo-UnternehmerInnen gegenüber Marketing daraus, dass beispielsweise

  • nicht von individuellen KundInnen gesprochen wird, sondern man diese in unpersönliche Zielgruppen schubladisiert
  • KundInnen rein mit dem Rechenstift durchkalkuliert und ihnen anschließend Goldesel- oder Arme-Hundchen-Etiketten umgehängt werden
  • man berechnend einen (Neuro-)Köder nach dem anderen auslegt, bis sie in der „Falle“ sitzen, die KundInnen und kaufen müssen.

„Das ist nicht meine Vorstellung einer Kundenbeziehung, bei der ich meine Kunden wie die hilflose Fliege im Spinnennetz zappeln lasse“, so oder ähnlich artikulieren viele Solo-Selbstständige ihr Marketing-Unbehagen. Und damit haken sie es ein weiteres Mal für die Ewigkeit ab: „Marketing, das ist einfach nicht meins“.

Doch verstecken sich gerade in dieser Äußerung auch die Schlüssel(wörter), die den Weg in eine neue, erfolgsversprechende Richtung eben können.

  • Es sind teils ziemlich „alte“ Vorstellungen von Marketing und „Verkaufen“, die die Sicht verdunkeln. „Authentisches Marketing“ steht gerade recht hoch im Kurs. Diese neue Begriffsschöpfung gibt damit aktuell offiziell Erlaubnis für etwas, was grundsätzlich schon immer möglich war: Sich gegenüber den KundInnen so ‚echt’ zu präsentieren wie man eben ist. Als jemand, der von seinen Produkten oder seiner Dienstleistung überzeugt ist und diesen Begeisterungsfunken auch auf die KundInnen  überspringen lassen kann. Die sperrigen „Vorstellungen“ von Marketing speisen sich zudem aus den gefühlten Myriaden  an Modellen, in denen ein ums andere Mal durchexerziert wird, wie es denn nun exemplarisch Schritt für Schritt gehen soll, mit der erfolgreichsten Vermarktung. Ob und was Solo-UnternehmerInnen aus diesen Modellen machen, haben allein sie selbst in der Hand. Ein Modell liefert die Möglichkeit eines tiefergehenden Verständnisses des „Dahinter“, welche größeren Ideen diesem theoretischen Miniaturausschnitt zugrunde liegen könnten.  Wenn einem die grundsätzliche Idee, dieses „Dahinter“ gefällt, warum dann nicht eine eigene Ausführung kreieren, anstatt die Umsetzungsrezepte anderer zu klonen? Einen interessanten Artikel dazu gibt es auch auf Copyblogger 

  • Eine Beziehung zu den KundInnen aufzubauen, das ist doch um vieles leichter, wenn man sich nicht stromlinienförmig an Modelle heranschmeicheln muss, sondern authentisch bei sich bleibt. So lässt sich sehr klar dem Gegenüber zeigen: „Dafür stehe ich mit meinem Solo-Unternehmen“. Damit erhöht sich zwangläufig die WunschkundInnenndichte, indem man gezielt nach außen das präsentiert, womit und wie man wahrgenommen werden möchte.  Stellt man als Solo-UnternehmerIn den Aufbau und die Pflege von Beziehungen ins Zentrum, KundInnen-Beziehungen, die nicht nur einem selbst, sondern auch dem Gegenüber etwas „wert“ sein sollen, zapft dies automatisch andere Ressourcen an und verlangt nach anderen Lösungen als das „ungeliebte“ Verkaufen. Dies kann sich so seiner unangenehmen Verpackung entledigen und stattdessen ein sinnlich wahrnehmbares Ziel werden, das motiviert: „Was kann ich für meine KundInnen tun? Was kann ich anbieten, das ihnen wirklich nutzt?“ Indem man sich intensiv auf die Beziehungspflege konzentriert, wappnet man sich nebenbei auch recht gut gegen gemeine Selbstzweifel, die ständig am Wegesrand lauern und einem den Spaß sehr nachhaltig verderben können:  „Kann ich überhaupt etwas? Braucht mich eigentlich jemand?“ Im Kontakt mit (zukünftigen) KundInnen wird sich immer wieder sehr schnell herauskristallisieren, was man besonders an Ihnen schätzt, welche Dienstleistungen ausgesprochen gut ankommen und wo sich noch ungehobene Schätze verbergen.

Bildnachweis: © Sergey Nivens - Fotolia.com

  

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Klappern gehört zum Handwerk – der anderen?" Sie leisten als Solo-Selbstständige nicht nur gute, sondern sehr gute Arbeit. Aber: Viel zu wenige wissen davon. Warum eigentlich?

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Keine Fliegen fangen (1) (3,4 MiB)

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Wer schreibt hier?

Annette Jäckel, Texterin und Beraterin
schreibt für mittelständische Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen und berät Solo-UnternehmerInnen in Sachen Marketing & PR.
Kontakt E-Mail: info(at)wortfreundin.com

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Kommentar von Birgit Kump

Sehr, sehr vormittags-erhellend (und eine willkommene Unterbrechung bei der aktuellen Flyer-Bastelei). Wieder einmal hast du es geschafft, mir ein ziemlich breites Grinsen ins Gesicht zu zaubern, liebe Annette. Schön, wenn man sich derartig bestätigt fühlen kann, nämlich insofern, dass man EIGENTLICH genau mit dieser Einstellung seine Solo-Selbständigkeit begonnen hat. Bis dann gewisse Leute den Weg gekreuzt haben, die, eine kurze Verunsicherung ausnutzend, versucht haben, einem eben diese Einstellung madig zu machen. Als Folge springt man womöglich aus der Spur und fängt an, zu überlegen, ob diese "Marketing-Schiene" nicht doch die richtige ist, schließlich wird sie ja überall gepredigt.

Aber jetzt weiß ich es wieder :-) Das passt schon so.

Liebe Grüße auf die Landstraße,
Birgit

Antwort von Annette Jäckel

Hallo liebe Birgit,
kaum verschickt und schon kommentiert - herzlichen Dank für Deinen blitzschnellen Kommentar.

Deine geschilderten Erfahrungen teilen sicherlich viele - nicht zuletzt ich;-) Gerade wenn man sich als Solo-Unternehmerin jeden Tag aufs neue den eigenen Repräsentationrahmen zimmern muss, dann kann das manchmal, mitten in den Bauarbeiten, sehr leicht umgepustet werden. So dass man erst mal dasteht, vor den herumliegenden Einzelteilen und hin und wieder glaubt, sich völlig neu organisieren zu müssen...

... nur ausschließen, dass das tatsächlich auch mal passieren kann, sollte man wiederum auch nicht. In diesem Fall ist es jedoch kein "müssen", sondern ein selbst gesteuerter Entwicklungsprozess, der es notwendig macht, auch das eigene Marketing vielleicht eines Tages rundumzuerneuern oder leichte Akzentverschiebungen vorzunehmen.

Wünsche Dir noch einen schönen Tag, herzliche Grüße schräg über den Dom,

Annette

 

Kommentar von Birgit Kump

Liebe Annette,

volle Zustimmung. Ich hatte bei meiner Antwort hauptsächlich die grundlegende Ausrichtung der Selbständigkeit im Kopf (und bin - wie so oft - davon ausgegangen, dass die unlesbaren Gedanken eh für jeden sichtbar sind). Dass sich die anfangs noch recht unscharfen Konturen im Lauf der Zeit formen und umformen dürfen - ja, klar. Das habe ich jetzt auch schon gelernt :-)

Ebenfalls noch einen schönen Tag und liebe Grüße,
Birgit

Antwort von Annette Jäckel

... oder ich biete noch eine andere Lesart an:

Da ist die Didaktik-Tante in und mit mir ziemlich weit davon galoppiert...

Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende wünscht Dir

Annette