Symbolbild Karriere Selbstständigkeit

Zuerst ein Ausflug in die Statistik...
Solo-Selbstständige gibt es nicht ausschließlich als Einzelerscheinung, so wie es das Wort eigentlich nahe legt, sondern ordentlich gezählt in großer Menge. Allein in Österreich beispielsweise zählt die Wirtschaftskammer rund 266.000. Damit sind satte 57 Prozent der via Wirtschaftskammer erfassten gewerblichen Betriebe sogenannte Ein-Personen-Unternehmen. Und das kann doch eigentlich nur heißen: Solo-UnternehmerInnen sind alles andere als eine vernachlässigbare Randerscheinung der Arbeitswelt.

...und dann eine Stippvisite in der Praxis...
Doch das Image der EinzelkämpferInnen ist nach wie vor mehrheitlich durchwachsen, die Diskussionen schlagwortgeprägt von „ICH-AG“ oder „Schein-Selbstständigkeit“.  Im direkten Austausch vermitteln Fragen wie: „Davon kannst Du wirklich leben?“ oder „Was machst Du jetzt eigentlich so den ganzen Tag?“ ebenfalls nicht das ersehnte Quäntchen Wertschätzung. Und genau damit haben sich viele Solo-Selbstständige abgefunden. Dass sie „allein“ sind, obwohl es eigentlich viele andere Mittuende gibt. Dass sie „irgendwas“, aber keine richtigen UnternehmerInnen sind, denn sonst hätten sie ja Angestellte, repräsentative Firmenzentrale und doppelte Buchführung.

... um schließlich am Anfang zu landen
Dass man diese Negativ-Bilder als Solo-Selbstständige oder Solo-Selbstständiger einfach so an sich abperlen lässt, gelingt mal mehr und mal weniger gut.  Insbesondere, wenn es im Business unrund läuft, kann dieses Sich-Entgegenstemmen zusätzliche Kraftreserven einfordern.

Das ist die eine Seite, der Malus-Stempel von Außen. Die andere, ebenso wenig beflügelnde Seite, kann in der eigenen Gründungsgeschichte stecken.

Gründungsgeschichten können so beginnen:

„Ich wollte endlich das tun, was mir wirklich wichtig ist.“
„Ich wollte meine eigene Chefin / mein eigener Chef sein.“
„Erst war es nur ein nettes Hobby, dann wurde daraus immer mehr.“


Gründungsgeschichten können aber auch so anfangen:

„Ich habe in meinem Bereich einfach keinen Job gefunden.“
„Nach der Schwangerschaft war die Selbstständigkeit die einzige Möglichkeit wieder zu arbeiten.“
„Ich wurde arbeitslos und es gab für mich keine Chance mehr auf eine Festanstellung.“

Karriere, Erfolg, Zufriedenheit: Diese Faktoren verbindet man auf den ersten Blick vermutlich nicht mit den letztgenannten Beispielen. Denn: Hier hatte ganz offensichtlich jemand KEINE ALTERNATIVE. Dies implizieren zumindest die Aussagen, in denen immer das Andere mitschwingt, ein Arbeitsmarkt, der z.B. bei Festanstellung nach Alterskriterien selektiert. Die Selbstständigkeit wird so zur II. WAHL. Denn: Wäre es besser gelaufen, die Möglichkeiten besser gewesen... dann hätte man sich gerne anders entschieden. Es gab also keine Entscheidung FÜR die Selbstständigkeit. Und dennoch ist es das, was man ab Zeitpunkt X Tag für Tag gemacht, wofür man seine physischen und psychischen Ressourcen eingesetzt hat und es immer noch tut. Hat dieser Einsatz auf Dauer nicht deutlich mehr verdient, als den Negativ-Stempel „aus Mangel an Alternativen“?

Deshalb:
Bitte nehmen Sie sich in Ihrer Solo-Selbstständigkeit ernst. Denn sich selbstständig zu machen kann ebensogut heißen, dass Sie DIESEN Karriereweg einschlagen; dass Sie sich FÜR die Karriere „Selbstständigkeit“ entscheiden.

Jedoch: Es geht mir keinesfalls darum, eine frustrierende oder verzweifelte Ausgangssituation nachträglich mit einem lustigen „Tschakka“ glattzubügeln oder Zitronen in  süße Zitronenlimonade zu verwandeln.

„Ernst nehmen“ möchte ich so verstanden wissen: Geben Sie sich selbst für das, was Sie jetzt tun, die Wertschätzung, die Sie verdienen. – Der Umkehrschluss könnte nämlich sonst sein: Wenn Sie sich selbst in Ihrem Tun nicht wertschätzen, nicht ernst nehmen, wieso sollten dies dann andere tun? Deshalb auch mein Vorschlag, die Selbstständigkeit als eine Karriere-Option in Betracht zu ziehen. Eine Karriere, bei der Sie nämlich nicht tatenlos dabei zusehen müssen, wie andere an Ihnen vorbeiziehen. Sondern bei der Sie durch Ihren Einsatz selbst direkt messbaren Einfluss darauf nehmen können, wie erfolgreich Sie mit Ihrem Solo-Unternehmen sind, wie langsam oder eben auch wie schnell Sie Erfolge sammeln möchten.

Meine persönliche Vision: Je mehr Solo-UnternehmerInnen für sich bewusst die Karriere-Option wählen, desto selbstverständlicher wird es zukünftig, auch als Solo-UnternehmerIn erfolgreich zu sein, statt „irgendwie so durchzukommen“. Und: Je erfolgreicher Solo-UnternehmerInnen sind, desto stärker kann auch die Gemeinschaft zusammenwachsen. Warum nicht statt nebeneinander zu arbeiten, zukünftig verstärkt auf den Zusammenschluss in Netzwerken oder die fixe Zusammenarbeit mit KooperationspartnerInnen setzen? Auf dass den bisher unsichtbar-großen Zahlen möglichst bald viel sichtbares Solo-UnternehmerInnen-Tun Präsenz und Stimmkraft verleiht!

 

Meine Startrampen für diesen Text
Seit langem schon lese ich Heike Thormanns Newsletter rund um Ihre Webpräsenz „kreativesdenken.com“. Dort zog sie für Ihre LeserInnen Resümee und bilanzierte „35 Fehler in der Selbstständigkeit“. Das waren nicht irgendwelche Fehler, die von ihr aufgelistet wurden, sondern in zehn Jahren Praxis selbst gemachte oder bei anderen beobachtete. Ich las alle 35 und war (und bin es immer noch) sehr angetan von ihrer ebenso erfrischenden Ehrlichkeit wie Sachlichkeit.

Ebenso begleitet hat mich ein Interview mit Stephanie Watson auf sparkplugging.com, einer äußerst lebendigen Freelancer-Community für Web-UnternehmerInnen.

Bildnachweis: © higyou - Fotolia.com

Wenn Ihnen dieser Blog-Beitrag der Wortfreundin gefallen hat, wie wäre es dann damit?
Solo - aber UnternehmerIn! Nicht nur in der Gründungsphase wirkt die Bezeichnung „Unternehmer oder Unternehmerin“ für viele Selbstständige um einige Nummern zu groß. Doch es lohnt, in diese neue Rolle hineinzuwachsen.

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Karriere "Selbstständig" (3,4 MiB)

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Wer schreibt hier?

Annette Jäckel, Texterin und Beraterin
schreibt für mittelständische Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen und berät Solo-UnternehmerInnen in Sachen Marketing & PR.
Kontakt E-Mail: info(at)wortfreundin.com

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