Symbolbild "Intuition scheibchenweise?"

Komplexität macht den schnellen Weg zur Entscheidungsfindung knifflig.

Komplexität versperrt die Gesamtschau auf Grenzen.

Komplexität heißt, alles kann sich jederzeit (wieder) verändern.

… weil man aber, um Handeln zu können, eine Grundlage für ebendieses braucht, kommt die Komplexitätsreduzierung ins Spiel. Undurchdringliches soll durch sie transparenter, x-fach Verworrenes strukturierter werden. Auf dass Komplexes endlich begreifbar und damit kontrollierbar sein möge.

„Die Landkarte ist nicht die Landschaft“
Alfred Korzybski hat es in seiner griffig-bildlichen Formulierung auf den Punkt gebracht, was es bis heute so herausfordernd macht, Dinge allgemeingültig zu vereinfachen. Denn einerseits agiert man als Mensch oftmals genau so, nämlich komplexitätsreduzierend, um handlungsfähig zu bleiben oder zu werden. Hierfür erschafft man sich ein handliches Modell, die Landkarte. Diese ermöglicht ein „so tun als ob“. „Als ob“ man sich auf Entdeckungsreise durch die weitläufige, unübersichtliche, endlose… Landschaft machen würde. Tatsächlich setzt man jedoch keinen Fuß in die Landschaft. Stattdessen ist es die eigene Vorstellungskraft, mittels derer man durch die selbst kreierte Landkarte navigiert. Diese Landkarte gibt allerdings nur über die selbst ausgewählten Dinge Auskunft. Man konzentriert sich auf einen Ausschnitt, der jetzt nützlich, begreifbar oder zugänglich ist. Somit zeigt die Landkarte, wenn sie sorgfältig erarbeitet wurde, eine sehr individuelle Ansicht der Landschaft, also ein Schnippselchen der Wirklichkeit da draußen. Die Landkarte könnte deshalb auch völlig anders aussehen, wählte man für sich einfach einen anderen Ausschnitt. Oder man ließe jemand Fremdes bestimmen, in dessen persönlicher Wahrnehmung plötzlich ganz anderes relevant und unbedeutend wird. Eine harte Nuss, an der sich die Logik die Zähne ausbeißt, leistet sie doch ganze Arbeit, wenn man folge-richtig denkt. Aber die Landkarte zeigt die lange Nase und wispert: „Könnte auch alles ganz anders sein“ – worauf die Logik wieder mit einem weiteren Ausschnitt beginnen müsste, um zu strukturierter Schlüssigkeit zu gelangen.

Komplexität macht Arbeit
Ein Modewort ist es mittlerweile auch: Wird doch bei der Suche nach Problemlösungen oder der Beschreibung vielschichtiger Situationen, die Formulierung rasch noch um ein „komplex“ ergänzt. Komplexität ist damit einerseits Gütesiegel – hebt sie ein Problem über ein „einfaches“ Problem-Dasein hinaus – andererseits auch schwer zu bändigende Herausforderung – ist beispielsweise eine Aufgabe so komplex, dass sonst bewährte Steuer- und Kontrollmechanismen nicht anwendbar sind. Begegnet Solo-UnternehmerInnen Komplexität im Unternehmensalltag, stemmt sich diese der Routine quer entgegen. – Sie verursacht dadurch schwer kalkulierbaren Aufwand, erfordert unter Umständen deutlich mehr Zeit und kann den eigenen Stresspegel nach oben schnellen lassen. Kurzum: Sie ist immer öfter einfach mal da und nimmt sich dann ihren Raum. Im schnellen Hau-Ruck-Verfahren via „Eine Lösung im 21. Jahrhundert muss auf eine DIN A4-Seite passen“ dampft diesen Platz zwar radikal und im Kurzwaschgang ein. Komplexität wird hier allerdings nicht zugelassen, sondern als „Störung im System“ mit den bisherigen Mitteln schnellstmöglich eliminiert.

„Es ist das beste, was (mir) gerade möglich ist“
Eine bekömmliche innere Balance und damit auch äußerlich ein Auskommen zu finden, die der Komplexität angemessen sind, stellt neue Herausforderungen an das Denken, die verfügbaren Methoden, die eigene Haltung. Und erfordert Zeit für Reflexion. Haben sich grundlegende Arbeitsparameter verändert, dann ist Zeit ein entscheidender Faktor, der benötigt wird, um sich dem Neuen gegenüber in der Zukunft anders verhalten zu können, als bisher. Verändert sich das Umfeld des Solo-Unternehmens fundamental, dann sind nicht nur die Unternehmensstrukturen auf dem Prüfstand, sondern es beginnt immer mit der UnternehmerInnen-Persönlichkeit: Wie empfinde ich diese Veränderungen? Welche meiner Methoden und Einstellungen passen gut dazu, welche sind weniger hilfreich? Wie schaffe ich mir die notwendigen Freiräume, um nicht nur den Entwicklungen hinterherzuflitzen, sondern wieder vorausdenken zu können? Intuition, also durch Schauen und nicht durch (logisches) Denken erworbene Kenntnis, kann dabei zu einer verlässlichen Begleiterin werden. Denn mit Intuition greift man nicht nur auf sein bereits erworbenes Wissen und gemachte Erfahrungen zurück. Man nimmt auch instinktiv das mit auf, was bisher ausschließlich emotional andockt. Neues, zu dem man bisher erst einen diffusen gefühlsmäßigen Zugang hat, aber eine innere Haltung erst noch gefunden werden will. Um sich nicht zu blockieren, weil „alles doch viel zu komplex ist“, kann es sinnvoll sein, sich mit einer neuen Arbeitshypothese zu behelfen. Nämlich der: „Dies ist vorläufig das beste, was mir möglich ist.“ Damit laviert man sich nicht einfach nur irgendwie durch und bleibt in halbgaren Lösungsideen stecken. Sondern man öffnet sich der Komplexität, so gut es einem möglich ist und das heißt: Dinge nur mit Verfallsdatum und in Ausschnitten überschauen, nicht kontrollieren zu können. Immer wieder nur zu versuchen, zu steuern. Ob der Einsatz erfolgreich war oder nicht: Die Zukunft wird es weisen und gegebenenfalls Anpassungen nötig machen.

Als Solo-UnternehmerIn sind heterogene Netzwerke, nicht nur hier, Gold wert. Ist es sinnvoll, sich in wechselnden Bündnissen gegenseitig zu unterstützen? Wer ist gute Partnerin, guter Partner für einen fachlichen Austausch? Welche Ideen zur vorhandenen Problemstellung gibt es im Netzwerk bereits und lassen sich diese zu etwas Neuem zusammenbasteln? Gemeinsam ist man stärker und kann das Hin und Her besser abfedern, wenn Dinge sich logisch nicht entscheiden lassen. Es ist zudem recht mutig, sich den eigenen Ambivalenzen zu stellen. Blendet man diese aus, kann das Weltbild und ein "Ich habe alles im Griff-Gefühl" nichts so schnell durcheinander bringen. Lässt man durchaus verunsichernde Ambivalenzen und ein "Ich weiß nicht immer, wie und ob es funktioniert" zu, bedeutet das zugleich auch, dass neue Möglichkeiten entstehen können - Möglichkeiten für Veränderungen im Fühlen, Denken und Handeln. 

Bildnachweis: © jk1991 - Fotolia.com

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Automatische Abwehrreaktion: Im Kopf – nur Mattscheibe. Der Gefühlshaushalt – in Aufruhr. Und beide zusammen münden gebetsmühlenartig in nur einen einzigen Gedanken: „Ich verstehe das einfach nicht.“ Nachfolgend ein (biologischer) Einstieg für einen (möglichen) Ausstieg.

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Intuition scheibchenweise (4,1 MiB)

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Wer schreibt hier?

Annette Jäckel, Texterin und Beraterin
schreibt für mittelständische Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen und berät Solo-UnternehmerInnen in Sachen Marketing & PR.
Kontakt E-Mail: info(at)wortfreundin.com

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