Symbolbild Entscheidungen treffen

Neben dem ständig nagenden schlechten Gewissen „Du müsstet eigentlich...“ bringen  Nicht-getroffene-Entscheidungen noch eine zusätzliche Gemeinheit mit sich: Sie bleiben selten allein. So kann sich ein regelrechter Berg an Nicht-Entscheidungen auftürmen. Lässt sich eine davon vielleicht noch über weite Strecken erfolgreich ausblenden, wird dies mit steigender Anzahl an Aufgeschobenem immer schwieriger. Das heißt, die Energie, die in das Verdrängen des „Eigentlich müsste ich“ gesteckt wird, fehlt woanders. Das macht sich über kurz oder lang bemerkbar: minimierte Motivation für Dinge, die sonst viel Spaß gemacht haben, Konzentrationsschwierigkeiten, weil beständig etwas Anderes im Hinterkopf herumgeistert bis hin zu körperlichen Beschwerden.
 
Solo-Selbstständige sind DIE EntscheiderInnen im eigenen Unternehmen. Das ist zum einen die große Freiheit als Chefin oder Chef über das eigene Business sagen zu können: „ICH entscheide das“.  Aber zuweilen kann es auch zur Bürde werden, wenn keine Instanz da ist, an die in kniffligen Fällen entlastend rückdelegiert werden kann. Wenn Ihre Entscheidungsfreude ins Stocken geraten ist, dann hilft vielleicht ein Blick auf drei typische Ausgangssituationen, samt entscheidungsfreudiger Gegenmittel.
 

  1. „Heute würde ich so entscheiden, morgen wieder ganz anders.“
    Mögliche Ursache: Es fehlen Informationen. Klingt banal, ist es aber nicht. Ob intuitives Entscheiden aus dem Bauch, rationale Kopfentscheidung oder eine Mischung aus beidem: Damit die  Entscheidungs-Systeme ins Tun kommen, brauchen sie das passende und vor allen Dingen ausreichend ‚Futter‘, sonst funktionieren sie nicht.
    Gegenmittel: ‚Futter geben‘ bedeutet in diesem Fall, sich klar zu machen, worum es eigentlich geht. Was ist der Anlass, was das Problem, aus dem heraus eine Entscheidung getroffen werden sollte? Wer ist außer Ihnen noch beteiligt? Ist die Basis wieder freigelegt, zeigt sich schnell, wo noch Informationsbedarf besteht, damit Kopf und/oder Bauch endlich an die Entscheidungsarbeit gehen können.

  2. „Eigentlich habe ich schon halb zugesagt...“
    Mögliche Ursache: Die Entscheidungs-Situation wurde nicht von Ihnen selbst, sondern hauptsächlich von den anderen Beteiligten gesteuert.  „Ja“ oder „Nein“ sagen waren die einzigen Möglichkeiten.
    Gegenmittel: Auch hier ist es hilfreich, sich die Ausgangslage nochmals genau anzuschauen. Weshalb ist es notwendig, eine Entscheidung zu treffen? Was sind hierbei Ihre Wünsche, was sind Ihre Ziele? Wenn Sie sich Ihrer eigenen Bedürfnisse bewusster geworden sind, geht es nochmals zurück in die Situation und den Ihnen angebotenen Wahlmöglichkeiten. Finden Sie sich mit Ihren Wünschen und Zielen in einer „Nein-“ oder „Ja“-Entscheidung ausreichend berücksichtigt? Wenn nein: Welche positiven Alternativen lassen sich finden?

  3. „Es ist keine große Sache, ich weiß auch nicht, warum ich mir so schwer tue...“
    Mögliche Ursache: Eine Entscheidung bringt Klarheit. Einerseits. Auf der anderen Seite ist das Sich-Entscheiden kein isolierter Prozess und kann, sozusagen als Nebenwirkung, mit anderen Vorhaben oder Zielen kollidieren. So entsteht unbewusst eine unentscheidbare Situation. Die Folge ist Stillstand.
    Gegenmittel: Hier hilft oftmals ein Blick auf die Folgenabschätzung. Was passiert, wenn Sie  diesem „eigentlich ist alles klar“ nachgeben und die dementsprechende Entscheidung treffen? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Und welche davon sind für Sie o.k., wo gibt es noch Klärungsbedarf und welche Veränderungen sind für Sie evtl. untragbar? Gibt es Alternativen mit kleineren oder evtl. sogar ganz ohne Nebenwirkungen?

Sich entscheiden heißt auch: Es gibt sie nicht, die ultimative Absicherung, immer das Richtige zu tun. Trotz aller Sorgfalt, Vorsicht und Denkintensität. Seien Sie nett zu sich, wenn sich eine Entscheidung nachträglich als falsch herausstellt. Bleiben Sie aktiv und schauen, welche Weichenstellungen Sie in der Situation für sich treffen können, damit es wieder besser wird.

Bildnachweis: Kirsty Pargeter - Fotolia.com

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"Automatische Abwehrreaktion": Im Kopf – nur Mattscheibe. Der Gefühlshaushalt – in Aufruhr. Und beide zusammen münden gebetsmühlenartig in nur einen einzigen Gedanken: „Ich verstehe das einfach nicht.“Nachfolgend ein (biologischer) Einstieg für einen (möglichen) Ausstieg.

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Wer schreibt hier?

Annette Jäckel, Texterin und Beraterin
schreibt für mittelständische Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen und berät Solo-UnternehmerInnen in Sachen Marketing & PR.
Kontakt E-Mail: info(at)wortfreundin.com

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Kommentar von Eva Gütlinger

Danke für die kluge Inspiration...
denn wie könnte es anders sein: ich schiebe auch einen Berg von Entscheidungen vor mir her, die schon längst getroffen werden sollten. Und so gern würde ich wissen, was denn nun die ultimativ richtige Entscheidung ist.
Da hilft dein Blickwinkel, dass es eben auch mal falsch sein darf. Denn es ist ja immer noch möglich, dann wieder eine andere Entscheidung zu treffen.
Kopf und Bauch nehmen das Futter, das sich hier findet gerne auf. So freue mich sehr auf weitere Beiträge und Anregungen!

Antwort von Annette Jäckel

Hallo liebe Eva,

schönen Dank für Dein Lob - dermaßen angespornt werde ich weiterhin inspiriert die Tastatur bearbeiten.

Das mit der ultimativ-richtigen Entscheidung ist schon so eine Sache: Ungeheuer verlockend, wer möchte nicht von sich sagen können, solch perfekte Entscheidungen in Serie zu produzieren. Aber andererseits, gerade wenn sich so ein 100-Prozent-Gefühl nach vorne drängt - und dann einen selbst besonders entscheidungsunfähig werden lässt - lohnt ein Blick hinter die Kulissen der Entscheidung / des Problems. Gar nicht so selten entpuppt sich tatsächlich einer der drei im Blogbeitrag genannten "Bremser" als eigentlicher Verursacher. Die "100 Prozent richtige Entscheidung" kommt oftmals erst in zweiter Instanz ins Spiel und macht es dann, wenn es nicht eh schon kompliziert genug wäre, noch ein wenig vertrackter...

Viele Grüße, Annette