Symbolbild Aus der Form geraten

Wenn das eigene Business sitzt wie perfekte Maßkonfektion: dann gehen Geschäftsmodell und Persönlichkeit richtig gut Hand in Hand. Die KundInnen erkennen ohne Umwege, für welche Ecken und Kanten und für welche Angebote bzw. Dienstleistungen man der oder die richtige AnsprechpartnerIn ist.

Das gilt für heute. Was ist morgen? Als Person entwickelt man sich netterweise lebenslang weiter. Die Umwelt rundherum ist ebenfalls kein vakuumversiegeltes Präparat. Damit kann folgerichtig auch das Solo-Business keine entwicklungsfreie Zone bleiben. Bin ich noch glücklich, mit dem, was ich tue? Was sehe ich, wenn ich mir Umsatz und Gewinn anschaue? Welche Angebote, welche Dienstleistungen haben noch lange nicht den Zenit erreicht, welche Sorgenkinder sollen weiterhin mitlaufen dürfen und welche Projekte oder Angebote werden (erst einmal) auf Eis gelegt?

Man setzt sich neue Schwerpunkte, persönlich wie geschäftlich und nimmt erneut Maß. Gemessen wird an der eigenen Zufriedenheit und am  unternehmerischen Erfolg, ob man noch oder wieder auf der richtigen Spur ist.

Schwerpunkte zu setzen heißt noch viel mehr: Man selbst als Solo-UnternehmeIn bestimmt die gesamte Struktur des eigenen Solo-Business'.

Diese selbst geschaffenen Strukturen sind doppelt wirksam: Sie definieren einerseits den Rahmen, innerhalb dessen man als Solo-UnternehmerIn agiert. Diese Strukturen sorgen andererseits dafür, dass es überhaupt einen von außen erkennbaren Rahmen gibt, der zeigt: Das ist das Solo-Unternehmen.

Selbst geschaffene Strukturen lassen sich natürlich jederzeit wieder auflösen. Damit man Neues erkennen, Altes loslassen oder die Schalter komplett auf „Neustart“ setzen kann. Man tritt dabei kurzfristig hinaus aus dem alten, vielleicht zu eng gewordenen Rahmen. Erst außerhalb des Vertrauten ist es möglich in ganz andere Richtungen zu denken, sich so weit zu lösen, dass man auch die selbstverständlichsten Dinge in Frage stellen mag. Dieses Hinaustreten aus dem Rahmen kann viel Spaß bringen. Es ist durchaus vergleichbar mit dem schöpferischen Prozess. Hier werden kurzfristig alle Traditionen abgeschüttelt, damit sich für bis dato verschlossene Einsichten eine Erkenntnisluke öffnet.

Doch anschließend sollte es erneut zurückgehen aus diesem schwerelosen Raum, in dem alles möglich und unmöglich zugleich ist, zurück in eine Struktur. Denn diese erschafft erst wieder die Option, dass etwas verständlich mitgeteilt werden kann. Nämlich das, was zukünftig sein soll an neuen oder nur leicht veränderten Solo-Business-Schwerpunkten. Die Struktur sorgt auch dafür, dass man selbst in ihr wieder arbeiten kann.

An dieser Stelle lässt sich recht häufig etwas sehr Spannendes beobachten: dass manche(r) Solo-UnternehmerIn dauerhaft auf eine Seite wechselt. Man den Zustand „Ich schaffe mir Strukturen“ gegen ein „Ich löse mich von Strukturen“ eintauscht. In sehr schneller Abfolge werden beispielsweise neue Produkte oder Dienstleistungen ersonnen, ansatzweise vielleicht sogar kommuniziert. Und schon taucht man wieder ab, um geraume Zeit später einen noch viel schöneren Schatz freudestrahlend in die Höhe zu halten: „Das ist es jetzt. Ultimativ. Das ist mein NEUES Solo-Business.“ Um, man ahnt es schon, nur Sekundenbruchteile später erneut einer neuen Fährte zu folgen. Genauso existiert auch das Gegenteil: „Das habe ich so entschieden. Dabei bleibe ich. Und aus“. Standhaft bleibt man bei dieser Entscheidung und an Deck des Schiffs, obwohl sich bereits die Bordkapelle zum letzten Ständchen versammelt.

Entscheidungen zu treffen, die das Erhaltenswerte ebenso berücksichtigen wie das Neue, dies ist der Schlüssel, um wieder in ausbalancierte Business-Form zu kommen.

Entscheidungen haben allerdings immer zwei Seiten. Einerseits etwas Gutes: Man legt sich fest. Das soll es sein. So soll es zukünftig gemacht werden. Eine Entscheidung markiert einen Anfang. Mit ihr kann es losgehen. Auf der anderen Seite verlangt eine Entscheidung Unmögliches. Denn trotz aller vermeintlich rational oder aus dem Bauch heraus gesammelter Begründungen, nichts davon ist im mindesten Garantie dafür, dass es tatsächlich die richtige Entscheidung ist. Allein nur deshalb, weil man selbst es so und nicht anders bestimmt hat, gilt diese neue Route. Links und rechts davon: ein riesiger schwarzer Ozean an „Es könnte alles auch ganz anders sein“.

Diese Unsicherheit auszuhalten ist nicht einfach. Doch jenes Aushalten ermöglicht erst zu überprüfen: Welche Auswirkungen hat die Entscheidung, welche Veränderungen werden aufgrund dessen sichtbar? Sodann lässt sich abgleichen: Geht es in die gewünschte Richtung? Gibt es  dafür an anderer Stelle Entwicklungen, die ungünstig verlaufen? Zieht man allerdings vorschnell die Fühler ein, so öffnet dies dem nächsten „Ich mache alles nochmal ganz neu“-Procedere die Tür.

Für das Fortbestehen des Solo-Business' ist es überlebensnotwendig zu wissen, auf was für einem Fundament dieses aufbaut. Von welchen Dingen will man sich wissentlich verabschieden, welche  Strukturen sind bewahrenswert und was lässt man kurzfristig erst einmal zurück?

Jede(r) Solo-UnternehmerIn hat deshalb stets beide Möglichkeiten. Die Möglichkeit den Entscheidungsrahmen aufrechtzuerhalten, genauso wie die Option, diesen kurzfristig wieder zurückzunehmen. Deshalb ist es normal, sich fortwährend im Spannungsfeld dieser beiden Seiten hin und her zu bewegen. Nicht jedoch eine Seite permanent dominieren zu lassen, also beständig jede getroffene Entscheidung sofort wieder zu revidieren oder auf Biegen und Brechen an einmal Entschiedenem festzuhalten und so zunehmend unproduktiv zu werden.

Stabile Erdung holt man sich zurück, indem die eigene Sichtweise um eine Außenperspektive ergänzt wird. Will man endlich wieder zu Kräften zu kommen, hilft auch, die Rahmenbedingungen einfach mal so zu belassen, wie sie jetzt gerade sind. So lassen sich frische Erfahrungen sammeln. Und wenn man schon einmal dabei ist, beim Erfahrungen sammeln, könnte man auch gleich die eigenen Entscheidungswege hinterfragen. Versucht man derzeit ausschließlich dem Kopf zu folgen? Wenn ja: Wie wäre es, versuchte man Denken und Fühlen in eine ausgeglichenere Balance zu bringen?

Bildnachweis: © Mat Hayward - Fotolia.com

 

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„Beim nächsten Mal wird alles besser“: Aller gemachten Erfahrung und guten Vorsätze zum Trotz: Häufig werden gerade NICHT die besseren Lösungen umgesetzt. Ist das „eben einfach so“ oder geht es auch anders?

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Aus der Form geraten? (3,3 MiB)

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Wer schreibt hier?

Annette Jäckel, Texterin und Beraterin
schreibt für mittelständische Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen und berät Solo-UnternehmerInnen in Sachen Marketing & PR.
Kontakt E-Mail: info(at)wortfreundin.com

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