Symbolbild "Auf den Schwingen des Erfolgs?"

Am Anfang stand ein Bilderbuchstart: Kaum hat die (virtuelle oder reale) Solo-Business-Zentrale ihre Pforten eröffnet, sind sie auch schon da, die ersten KundInnen. Das Angebot, von dem man eigentlich mehr gehofft, als tatsächlich gewusst hat, scheint DEN Bedarf zu treffen. Woche für Woche, Monat für Monat nimmt das Business immer mehr an Fahrt auf. Es kommen Anfragen via Mail und Telefon, Weiterempfehlungen, Angebote zu Kooperationen…

Was tut man? Man freut sich wie Bolle und arbeitet beherzt so weiter, wie begonnen wurde. Wenn da nur nicht die sich beständig erhöhende Taktzahl wäre. Immer schneller dreht sich das Arbeits-Hamsterrad, die eigene Arbeit verliert an Qualität und man leidet unter sich verflüchtigender Motivation. Der einzige Ausweg: So hart zu arbeiten, dass es ganz schnell wieder besser, nämlich so wie am Anfang werden möge. Am Anfang, wo man im persönlichen Kontakt noch problemlos den Warenversand am Tag des Bestelleingangs in die Wege leiten konnte. Zu Anfang, wo man tatsächlich für die überschaubare KundInnen-Anzahl kreative Bestleistungen möglich gemacht hat. Und dann ist da noch die Sache mit dem Geld und der bewusst (oder auch zu) niedrig kalkulierten Schnupper-/Einstiegspauschale.  Sollte man nicht die Preise anpassen? Egal, es ist keine Zeit darüber nachzudenken. Später. Irgendwann. Denn schon wieder brummt das Handy…

Indem sich der Solo-Unternehmer bzw. die Solo-Unternehmerin darum bemüht, mit altbewährter Denke und Haltung die wachsende Zahl an KundInnen zufriedenzustellen, desto mehr droht der Bezug zur eigenen Unternehmenswirklichkeit verloren zu gehen. Zu einer Unternehmenswirklichkeit die da heißt: Man ist nicht mehr klein – sondern lediglich klein geblieben im Denken. Die sich erfreulich steigernde Angebots-Nachfrage erfordert eigentlich einen Neustart für die bisherigen, auf kleine Kapazitäten ausgelegten Abläufe. Doch das passiert nicht. Stattdessen zieht sich die überlastete Solo-Unternehmerin bzw. Solo-Unternehmer nach und nach auf das einzige, vermeintlich sichere Terrain zurück: das Abzuarbeiten, was gerade ansteht.

Wie hypnotisiert fokussiert man auf das, was aktuell gemacht werden soll – und tut sein Möglichstes. Die fachlichen Fertigkeiten, mit dem angebotenen Produkt bzw. der Dienstleistung exzellent arbeiten zu können, sollen es schon richten. Doch zu den Fachfertigkeiten gehört zumeist gerade nicht, dass man sich beizeiten um übergeordnete Abläufe und deren optimale Organisation bemüht, sich Business-Ziele setzt oder entwickelt so auch keine Vision dessen, wohin sich das Solo-Business verändern soll.

Um nicht am eigenen Erfolg unterzugehen, heißt es jetzt, den fachlichen Kopf aus dem Business-Treibsand zu ziehen – und zu wachsen und das in doppelter Hinsicht:  als UnternehmerIn UND als Persönlichkeit.

„Nicht mehr alles selbst am besten machen zu können“, das ist eine Denkweise, die jetzt beispielsweise auf den Prüfstand kommen sollte. Als Fachkraft ist die Antwort darauf schnell gefunden: „Niemand kann das so gut wie ich.“ Als UnternehmerIn ist der Blickwinkel allerdings ein etwas anderer: Man sieht das Auftragsvolumen, setzt dies in Relation der zur Verfügung stehenden Arbeitskraft und stellt fest: Das ist nicht zu schaffen. Die Taktik der Fachkraft: Sie würde versuchen, sich die Bahn so weit freizuschaufeln, dass man für einen Moment wieder den Asphalt erahnen kann. In der Verantwortung als UnternehmerIn hingegen versucht man selbst die  Richtung zu definieren, so dass es gerade nicht die täglich wechselnden Anforderungen sind, die einen vor sich her treiben.

Eine zentrale Frage könnte werden: Welche Optionen habe ich, um als Unternehmerin oder Unternehmer das Bestmögliche aus meinen Fähigkeiten und Kompetenzen zu machen? Sich besser kennen zu lernen mit all den noch unentdeckten Möglichkeiten, der eigenen Grenzen und gemachter Fehler gewahr zu werden, wie steht es eigentlich um die eigene Gesundheit?, das ist es, was jetzt durchgecheckt werden sollte. Genauso sollte man sein Solo-Business in all seinen verwinkelten Ecken gut ausleuchten, um klar zu sehen: Was ist es, was da so schnell herangewachsen ist? Welcher Vision möchte man  folgen, welche Werte sollen zukünftig das eigene Handeln leiten, was sind die nächsten Schritte? Wer und was kann dabei unterstützen nicht nur zu lernen wie das Projekt „Unternehmen“ funktioniert, sondern auch dabei, was man selbst benötigt, um wirklich UnternehmerIn zu werden? Dabei geht es um einen breitgefächerten Kanon an Fertigkeiten, die eben nicht nur für das Solo-Business nützlich und hilfreich sind, sondern die die Unternehmerin bzw. den Unternehmer auch in anderen Lebenslagen neu über sich selbst hinauswachsen lassen.

Zielsetzung ist, den eigenen Unternehmenserfolg nicht nur genießen und steuern zu können, sondern ehrlich-unnachgiebig genauso wie wertschätzend-fair  an der entscheidenden Schnittstelle grundsätzlich etwas verändern zu wollen, die dem erfolgreichen Solo-Selbstständigen-Sein momentan im Wege steht: bei sich selbst.

Bildnachweis: © kantver - Fotolia.com

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"Alles, nur das nicht": Marketing/PR ist für gar nicht so wenige Solo-Selbstständige nur eines: mühsam. Grund für einen kleinen Ausflug in Herz und Kopf.

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Auf den Schwingen des Erfolgs? (3,4 MiB)

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Wer schreibt hier?

Annette Jäckel, Texterin und Beraterin
schreibt für mittelständische Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen und berät Solo-UnternehmerInnen in Sachen Marketing & PR.
Kontakt E-Mail: info(at)wortfreundin.com

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