Symbolbild "Alles muss raus?!"

Mit mir stromerten eine Menge anderer Personen entlang der Regalreihen des Geschäfts und entdeckten, was da für ein Schatzkästchen mit netter, fachkundiger Beratung demnächst die Ladentüren verriegeln wird. Trotz großzügiger Präsentationsfläche, unbeabsichtigt auf höchste Geheimhaltungsstufe zu schalten: Lässt sich daraus etwas für den eigenen Solo-Business-Alltag lernen?

Verpackung oder Inhalt: Was war zuerst?

Egal, ob man als Solo-UnternehmerIn nun ein reales oder virtuelles Schaufenster mit seinen Angeboten bestücken möchte – es geht stets um die bestmögliche Präsentation dessen, was man den potentiellen KundInnen anzubieten hat.  Ohne,  dass es sofort einen persönlichen Kontakt gibt und man als Solo-UnternehmerIn selbst „wirken“ oder etwas erklären kann, müssen die Produkte oder die angebotene Dienstleistung  auch für sich alleine stehen und signalisieren können: „Das ist es, was gesucht wird" bzw. "Das ist es, was neugierig auf mehr macht“. Dieses „bestmögliche Präsentieren“ hat es allerdings in sich. Allein deshalb, da hier eigentlich ein vorgelagerter Schritt seine Muskeln spielen lässt: „WAS biete ich als Solo-UnternehmerIn überhaupt an?“ BEVOR man sich darüber Gedanken macht, ob die Angebote im Schaufenster mehr rechts oder doch eher links, erhöht auf einem Podest oder angestrahlt mittels eines effektvollen Spots, drapiert werden, ist es sinnvoll zu überlegen: WELCHE Angebote es denn eigentlich sein sollen, die sich dann später auf dem güldenen Präsentierteller drehen dürfen. Dieser unglamouröse Basis-Schritt wird gern mit leichter Hand, ohne viel Zeit und Hirnmasse zu investieren, abgehakt. Heimtückischerweise fällt das auch nicht sofort unangenehm auf. Denn: Hat man als Solo-UnternehmerIn nicht dieses wunderbare Logo, tolle Flyer, ein schönes Büro? Diese Verpackungen werden mit nicht unbeträchtlichem finanziellem und persönlichem Aufwand gestemmt, dementsprechend hoch sind die sich darauf richtenden Erwartungen. Jedoch, bleibt die erhoffte rege Angebots-Nachfrage aus, wird fleißigst erneut an der Verpackung herumgetüftelt, ein weiteres Mal „gehofft“, anstatt sich spätestens jetzt  dem Inhalt zu widmen. Oder, um beim Bild des Schaufensters zu bleiben: Es wird immer wieder umdekoriert, ohne auch nur einen einzigen Gegenstand durch einen anderen zu ersetzen. Und damit verändert sich an den Nachfrage-Ergebnissen ebenfalls nur wenig bis gar nichts.

Durch die eigenen Angebote an Größe gewinnen
 

Unabhängig davon, ob man gerade erst mit seinem neuen Solo-Business durchstartet oder sich bereits als Solo-UnternehmerIn einen Namen gemacht hat, man sollte sie nicht nur mögen, die eigenen Angebote, sondern auch wissen, was man genau in der eigenen Auslage so emsig hin- und herschiebt. Was passiert, wenn man sich nun AUS dem Dekorationsbereich herausbewegt, vor das Schaufenster stellt und auf die dort angebotenen Produkte schaut? Sieht man auf etwas, das einem gefällt, findet man sich in der Vielfalt zurecht, gibt es bestimmte Produkte, die man am liebsten komplett ausblenden möchte, fehlt etwas, denkt man an die Zukunft des Solo-Unternehmens?

Die eigenen Angebote sind Spiegel  der Unternehmensgegenwart und zugleich strategisch geplantes Versprechen für ein Morgen. Was macht einen jetzt besonders und was soll zukünftig besonders sein? Das unternehmerische Wachstum lässt sich hervorragend über die Weiterentwicklung der eigenen Angebotspalette steuern. Indem man Dinge reifen und größer werden lässt, so dass diese peu à peu andere Betätigungsfelder ablösen werden. NeugründerInnen, welche zunächst „alles“ anbieten möchten, können sich testweise bei verschiedenen Zielgruppen mit einem ausgewählten Ausschnitt der eigenen Angebote präsentieren. Oder auch einige Angebote erst einmal zurückstellen, weil es für den Anfang schlichtweg zu viel des Guten ist.

Sichtbar und greifbar werden für (potenzielle) KundInnen, das sind die Nebenwirkungen, verordnet man sich als  Solo-UnternehmerIn eine klare, ehrliche Schau auf die eigenen Angebote. Das erfordert durchaus Mut. Mut für Herzensentscheidungen. Weil es letztendlich um IHR Unternehmen geht, in dem Sie sich wohl fühlen, weiter entwickeln und durch das Sie mehr als nur ein Taschengeld verdienen wollen. Dieser Mut zu Herzensentscheidungen hat nicht nur Auswirkungen auf einen selbst, sondern kommt auch auf der anderen Seite an, bei KundInnen, Geschäfts- oder NetzwerkpartnerInnen: in Form von Authentizität und Aufrichtigkeit. Einer Währung für den Unternehmenserfolg, die so leicht durch nichts zu schlagen ist.

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"Die Liebe zum Detail": Es soll sofort umgesetzt werden, „das Marketing“ oder das Einrichten einer Facebook-Site oder die Konzeption der Homepage oder das Verfassen der Presse-Info...  Die positiv vibrierende Ungeduld der KundInnen ist greifbar – doch: Wohin soll es eigentlich in Überschallgeschwindigkeit genau gehen?

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Wer schreibt hier?

Annette Jäckel, Texterin und Beraterin
schreibt für mittelständische Unternehmen sowie Non-Profit-Organisationen und berät Solo-UnternehmerInnen in Sachen Marketing & PR.
Kontakt E-Mail: info(at)wortfreundin.com

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